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Ende der Welt - Die tägliche Glosse Ich packe meinen Koffer

Vor dem Urlaub kommt das Packen. Und das macht jeder anders. Es gibt unterschiedliche Pack-Typen und wenn sie ihre Leidenschaft ausleben, wird’s eng. Eine Glosse von Wolfram Schrag.

Von: Wolfram Schrag

Stand: 27.07.2020

Es ist eigentlich egal, wohin man in diesem Jahr fährt. Statt nach Antalya geht es vielleicht nach Amrum, statt nach Bali nach Bibione oder statt nach Kenia nach Kastelruth

Doch beginnt eine Reise nicht mit dem ersten Schritt oder Kilometer, sondern schon Tage zuvor: Was nehmen denn meine Lieben und ich mit? Das Auto erlaubt zwar mehr Volumen als das Flugzeug. Doch ist jeder Kofferraum irgendwann voll, und selbst die besten Logistiker stöhnen verzweifelt auf, wenn plötzlich eine Tasche mit Schuhen neben dem Auto liegt. Was für eine kapitale Platzverschwendung. Die werden dann in jeden möglichen Zwischenraum geklemmt und geschoben oder mit gewissem Druck irgendwie verpackt. Spätestens bei der ersten größeren Rast zum Beispiel in Neumarkt/Auer bei Bozen kommt dann sicher die Frage auf: Und wo sind jetzt meine Sandalen? Na, hinten, reicht als Antwort nur bedingt.

Doch stopp, wir sind viel zu schnell. Denn vor dem Einpacken kommt das Packen. Und da muss man sich einfach eingestehen, dass es grundlegend verschiedene Herangehensweisen gibt, damit ein Teil des Hausstandes, ein Teil wohlgemerkt, drei Wochen mit auf Reisen geht.

Es gibt verschiedene Packtypen. Nur wenn man das weiß, artet das ganze Unternehmen Familienurlaub nicht in Vollstress aus, schon bevor es losgeht. Der pedantische plant schon Tage vorher, zieht schöne Socken, T-Shirts oder gar Unterhosen gar nicht mehr an, sondern legt sie auf einen Mitnehmstapel. Der genau entgegengesetzte Typ sagt, man brauche ja sowieso fast nichts und packt in letzter Minute noch schnell den Weekender. Möglicherweise merkt er aber dann schnell, dass es in den Alpentälern auch mal recht frisch werden kann, er aber ohne Pullover unterwegs ist. Egal, treffen Pedant und Abenteurer innerhalb einer Familie aufeinander, gibt eine Art jährlich wiederkehrendes zermürbendes Scharmützel.

Und zwischen all dem entwickeln Kinder ihre eigene Strategie. Sie merken schnell, dass Erwachsene wichtiges mitnehmen. Und da sind die Kleinen genauso erfinderisch, wenn auch anders als die Eltern. Das Schlaftier darf nicht alleine sein und welche Lieblingsdinge unbedingt mitmüssen, ist eine Wissenschaft für sich. Ach bitte! Von mir aus!

Manche deutsche Urlauber wollen es vor allem praktisch

Manche deutsche Urlauber wollen es vor allem praktisch. Das sieht man dann spätestens auf der Piazza am Abend. Also zumindest ein ordentliches Hemd, na egal. Es gibt genau die anderen, die tagelang den Kleiderschrank umkreisen. Früher wären sie wohl mit Gepäckträger und Überseekoffer gereist. Heute stellen sie zumindest noch für jeden möglichen Anlass das entsprechende Outfit zusammen. „Schatz, das passt bestimmt noch rein“, oder.

Tja, und dann stehen irgendwann alle vor dem geöffneten Kofferraum und sind beeindruckt und glücklich. Alles drin! Klappe zu und los. Heute sollte man zumindest noch rufen: Habt ihr auch eure Masken dabei? Gute Reise!


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