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Ende der Welt - Die tägliche Glosse Hotel Mama

Ist es geschlechtergerecht, wenn die 23-jährigen Söhne zur Hälfte noch daheim sind, 23-jährige Töchter aber nur zu einem Drittel? Dageblieben! Denn man kann noch sooviel voneinander lernen. Und Spaß haben mit Papa und Mama. Und wenn dann noch Enkel durchs alte Kinderzimmer krabbeln, ist das Mehrgenerationen Familienglück doch perfekt. Oder? Eine Glosse von Norbert Joa.

Von: Norbert Joa

Stand: 25.01.2019

Sehr geehrte Damen und Herren und Diverse, die Stadtverwaltung Hannover teilt mit: der Lehrer, der Wähler, das Rednerpult sind Geschichte. Zumindest in städtischen Briefen, E-Mails, Formularen, Drucksachen .. fortan soll die Rede sein von Lehrenden, Wählenden oder dem Redepult. Gern auch Teilnahmeliste statt Teilnehmerliste. Geschlechtergerechte Sprache - find ich gut, kann man machen .. äh, kann gemacht werden.

Wenden wir uns nun aber Feldern zu, wo es mehr braucht als einen Federstrich, um mit der Gleichheit der Geschlechter voranzukommen. Die Hälfte der 23-jährigen Söhne lebt noch bei den Eltern – aber nur ein Drittel der 23-jährigen Töchter. Und bei den 30-jährigen ist der Graben noch breiter: 12 Prozent der Söhne wohnen noch daheim - aber nur 5 Prozent der Töchter.

Was ist da los? Wurden die weniger geliebt? Sind Sie es etwa leid, für Vater und Bruder nach der Arbeit noch zu Kochen oder die Wäsche zu machen? Oder ziehen Sie so früh aus, weil sie ja dereinst auch wieder früh zurückziehen müssen, um die alten, kranken Eltern zu pflegen? Und später dann den Bruder, der zeitlebens im Kinderzimmer geblieben ist und nie mehr vermochte, als ein Spiegelei zu braten?

Jetzt kommt mal alle zur Besinnung, schaut auf den städtischen Wohnungsmarkt, in die traurigen Augen der alten Eltern in den viel zu großen Wohnungen und Häusern, nehmt Euch alle mal in den Arm und: bleibt einfach, wo ihr seid! Seid füreinander da, brecht Rollenbilder auf, lernt voneinander – bis dass der Tod Euch scheidet. Auch Bauingenieure können noch jenseits der 25 ergründen, wie man Wäsche faltet und Gemüsesuppen macht. Auch kleine Schwestern können noch mit 30 lernen, mit Kettensägen zu hantieren und wie man zwei dreckige Töpfe über Nacht einfach stehen lässt.

Was gibt es Schöneres nach einem langen Bürotag, als „Mensch ärgere Dich nicht“ zu spielen?

Und was gibt es Schöneres nach einem langen Bürotag, als „Mensch ärgere Dich nicht“ zu spielen oder „Monopoly“?  Mit Vater, Mutter, Schwester, Bruder – diese vertraute, tiefe Geborgenheit, der auch Jahrzehnte nichts anhaben können. Und wenn dann die Harmonie der Generationen und Geschlechter von außen  gestört wird – sie seien willkommen: die Schwiegersöhne und Schwiegertöchter.

Und auch für die heißt es: dageblieben! Auch wenn das Baby kommt – denn was gendermäßig ja gar nicht geht: derzeit arbeiten 6 Prozent der Väter in  Teilzeit – und 66 Prozent der Mütter. In Zukunft bitte beide gleichviel in Teilzeit - pfeif auf den Einkommensverlust. Schließlich sind die ersten Jahre mit Kind unbezahlbar. Und werden die im alten Kinderzimmer verbracht, geht das auch mit der Miete. – Opa und Oma winken aus der Küche. Daumen hoch!

Was gibt's da zu lachen - liebe Damen und Herren und Diverse ?


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