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Ende der Welt Hiobsbotschaft

Weltweit ist die Zahl der Auto-Neuzulassungen im ersten Quartal um 17 Prozent gesunken – hierzulande um 35 Prozent. Nur - für wen ist das eine Hiobsbotschaft? Eine Glosse von Norbert Joa.

Von: Norbert Joa

Stand: 06.07.2020

Aus gegebenem Anlaß soll nun die Rede sein von Hiob, einem reichen und dennoch hilfreichen Mann. Und fromm, eh klar - schließlich wohnt er in der Bibel. Gott lässt ihn vom Teufel schwer prüfen und so richten ihm Boten bald atemlos und einer nach dem andern aus: Deine Ochsen und Esel geraubt, alle Knechte erschlagen, Schafe und Hirten vom Blitz getroffen, Dein Haus eingestürzt und darunter begraben: alle Deine zehn Kinder. Worauf Hiob sich in den Staub wirft und ruft: „Der Herr hats gegeben, der Herr hats genommen – gelobt sei der Herr.“  

Uns interessiert nun der daraus entstandene Begriff: Hiobs-Botschaft. Also eine katastrophale Unglücksnachricht, die über einen Rechtschaffenen hereinbricht. Und so stehen wir vor der jüngsten Schlagzeile, die da lautet: „Hiobsbotschaft für die deutsche Autoindustrie – Neuzulassungen im ersten Halbjahr um ein Drittel gesunken, im Vergleich zum Vorjahr.“ - Ende der vermeintlichen Hiobsbotschaft.

Denn beginnen wir nun mit der Prüfung – nicht der Abgase, sondern zunächst: obs hier eine „rechtschaffene Branche“ trifft. Dieselbesitzer, Hand hoch. … Gegenstimmen? Und weiter zum Punkt: „katastrophale Unglücksnachricht“ – also statt bislang 300 000 Neuzulassungen pro Monat, momentan nur 200 000. Wenn kein Wunder geschieht – oder besser: Kaufrausch - kommen bis Weihnachten nicht mal drei Millionen neue Autos auf Deutschlands Straßen. Mit der bitteren Folge, dass die Zahl unserer Kraftfahrzeuge erstmals stagnieren könnte - bei 58 Millionen.

Jetzt erklärt sich auch diese gespenstische Stimmung der letzten Wochen, da draußen, vorm Fenster. Viel zu wenig Autos. Motorenapokalypse. Psst.  Höret … Audi … äh … Audete -  diese … STILLE.

Ist es nicht ohnehin ein Unglück für den Planeten, dass schon jetzt – rein statistisch - jeder volljährige Bayer ein Kraftfahrzeug hat?

Doch wie stehts geschrieben im dritten Buch Greenpeace, Brief an die Fahrradfahrer: Ich aber sage Euch - ist nicht das größere Unglück, dass ausgerechnet die Panzer und Marschflugkörper von Mercedes und Porsche kaum ein Zulassungsminus hatten? Die Coronaflaute nicht die reichen Hiobs traf, sondern die Armen? Und ist es nicht ohnehin ein Unglück für den Planeten, dass schon jetzt – rein statistisch - jeder volljährige Bayer ein Kraftfahrzeug hat? Dass der Boom bei den Elektroautos ihren Anteil an der Gesamtflotte steigen ließ von – na - 0,2 auf 0,3 Prozent ?

Ich gebs zu – diese Zeilen stehen so nicht im dritten Buch Greenpeace. Natürlich ist es furchtbar, wenn weniger Autos in die Welt kommen. Wenn sich der Reingewinn der 17 weltgrößten Autobauer im ersten Quartal auf knapp acht Milliarden halbiert hat – bei 200 Milliarden Barreserven. Und hören Sie nicht auch die Konzernchefs demütig sagen: Der Herr hats all die Jahre gegeben, der Herr hats genommen - gelobt sei der Herr.

Nein? Dann isses doch keine Hiobsbotschaft.


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