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Ende der Welt - Die tägliche Glosse Heisere Theresa May

Theresa May ist heiser – vermutlich, weil England bei jedem Wetter in der Nordsee schwimmt. Aber auch Karl der Große hatte eine Fistelstimme und setzte sich durch, und König George VI. stotterte und trotzdem gewannen die Briten den Weltkrieg. Stellt sich die Frage: Bringt May mit dem Knistern ihres Bonbon-Papiers Europa zum Wahnsinn? Eine Glosse von Peter Jungblut.

Von: Peter Jungblut

Stand: 14.03.2019

Ihre eigene Stimme hat Theresa May ja schon hinter sich gelassen, jetzt dürften sich die Briten fragen, wann sie Europa zum Krächzen bringt. Karl der Große soll ja auch eine Fistelstimme gehabt haben, und trotzdem setzte er sich durch, obwohl Gipfelteilnehmer zu dessen Zeiten noch bewaffnet und Mikrofone noch nicht erfunden waren.

Politik war also wesentlich lauter als heute, was Briten aber nicht schreckt, denn unter ihrem stotternden König George VI. gewannen sie ja immerhin einen Weltkrieg und Churchill rauchte einfach weiter, obwohl ihm Hitler an die Kehle wollte. Gut, könnte auch an Theresa Mays rauen Gedanken liegen, dass sie derzeit so heiser klingt. Sie muss ja mit jedem Vorschlag durch die undichte Fraktion, wo es entsprechend zieht. Und da es beim Brexit um nackte Tatsachen geht, hilft ihr da nicht mal ein Schal, ganz abgesehen davon, dass Parteifreunde wie Boris Johnson schon ganz andere Kompromisse auf Eis gelegt haben.

Jetzt hat Europa also die Wahl zwischen Menthol und Salbei und wird sich auf Druck von Orban vermutlich für Eukalyptus entscheiden, obwohl Angela Merkel auf Thymian setzt und Emmanuel Macron Spitzwegerich empfiehlt. Deshalb geht der Husten ja einfach nicht weg, weil jeder in der EU eine andere Vorstellung davon hat, was hilft. Niemals würde Theresa May ein Bonbon aus der Tüte von Jean-Claude Juncker lutschen, allenfalls mit dem Papier knistern, bis alle Anwesenden wahnsinnig geworden sind. Es steht zu befürchten, dass sie mit ihren Stimmbändern demnächst alle Zugänge nach Brüssel absperrt.

Für manche Briten ist das ja sowieso keine Hauptstadt, sondern ein Tatort, an dem die Gerichtsmediziner dringend mal nachschauen sollten, ob all die europäischen Ideale auf natürliche Weise verendeten oder nicht doch eine Richtlinie im Rücken stecken haben. England hat ja schon länger einen dicken Hals und schwimmt trotzdem bei jedem Wetter in der Nordsee, obwohl schon Rosamunde Pilcher wusste, dass es im ZDF viel wärmer ist. Aber dort will Theresa May bestimmt auch nicht beitreten, zumal sie mit Sicherheit die volle Kontrolle über Cornwall behalten will.

Womöglich hat Theresa May dabei auch zu viele haarige Details eingeatmet

Der Brexit ist ja überhaupt nur deshalb außer Kontrolle geraten, weil London Angst hat vor all den deutschen Fernsehzuschauern, die am Ärmelkanal campieren, weil sie im Landadel neu anfangen wollen. Manche sollen dort schon probeweise auf die Fuchsjagd gehen, obwohl die Eurostar-Züge darauf keine Rücksicht nehmen.

Theresa May wäre vermutlich froh, hätte sie sich nur eine Fähe eingefangen statt einer Pharyngitis, denn mit einem Fuchs hätte sie jetzt vermutlich keine Halsschmerzen, sondern nur Ärger mit Tierfreunden, und gegen den sind die Tories immun. Sie sind überhaupt hart im Nehmen und tragen manchmal sogar Leoparden-Schuhe, wenn sie nicht gerade im Unterhaus auf Großwildjagd gehen, sondern in Brüssel Bürokraten streicheln. Womöglich hat Theresa May dabei auch zu viele haarige Details eingeatmet. Wünschen wir ihr gute Besserung, und Großbritannien einen heißen Tee. Ingwer wird´s schon richten.


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