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Ende der Welt - Die tägliche Glosse Grillen und andere Talente

Die Corona-Pandemie bringt neue Talente hervor. So ist der Bayerische Ministerpräsident beispielsweise zum veritablen Grillmeister geworden. Dazu zählt die richtige Brutzel-Taktik, um auch zähe Kontrahenten gar zu kriegen, ebenso wie die nötige Platzverteilung auf dem Rost. Eine Glosse von Ulrike Nikola.

Von: Ulrike Nikola

Stand: 12.05.2021

Blättern Sie beim Frisör manchmal in einem der bunten Boulevard-Heftchen? Nicht? Na, dann verrate ich Ihnen, was Markus Söder dort gerade verraten hat – nämlich dass er sich in der Corona-Zeit zu einem veritablen Grillmeister entwickelt habe. Das Feuer entfachen, die Holzkohle nachschütten und warten bis die Glut die richtige Hitze erreicht, damit der Laschet am Ende gut durch ist. Söder hat seine Brutzel-Taktiken und sein Grill-Talent verfeinert. Denn damit er sich seine Kontrahenten genüsslich einverleiben kann, müssen sie erstmal gar sein – das braucht bekanntlich ein bisschen Geduld und Spucke, wenn Söder zwischendrin nicht mal wieder Öl ins Feuer gießt. Im September wird sich ja zeigen, was schwarz und verkohlt auf dem Grill zurückbleibt.

Während der Ministerpräsident in Nürnberg noch daheim geduldig die Würstchen wendet und wartet, dass die Inzidenz in der Frankenmetropole endlich richtig errechnet wird, lässt es sich sein Vize Aiwanger im Landkreis Landshut derweil im Biergarten schmecken. Woran liegt´s? Dass die Oberbayern die Pandemie besser im Griff haben oder die Mathematik? Jedenfalls sitzt der Hubsi mit einer Maas im Biergarten, und nein, es gibt kein Hendl und auch keine Hendl-Rede. Auch wenn er den Gastwirten den baldigen Verkauf ganzer Hühnerscharen verspricht, so schauen die meisten noch in die leere Röhre.

Dabei muss Aiwanger eigentlich die Kohlen ranschaffen, und Söder ist für das Grill-Handwerk zuständig

Dabei muss Aiwanger eigentlich die Kohlen ranschaffen, und Söder ist für das Grill-Handwerk zuständig. Für die Platzverteilung auf dem Rost schiebt er das rote Fleisch von einer Seite zur anderen bis es dunkler wird, das bisschen gelber Mais bleibt am Rand des Rosts und der grüne Paprika soll nicht zu viel Platz einnehmen. Wobei einmal verspeist, am Ende alles zusammen rauskommt.

Der Ministerpräsident ist aber nicht der Einzige, der in der Corona-Zeit zu einem veritablen Meister einer zuvor vernachlässigten Tätigkeit geworden ist. In den Talent-Shows haben wir Handstand-Akrobaten erlebt und Menschen, die mit der Hand veritable Furz-Geräusche machen können. Und während manche Nachbarn zu Rasen-Maßschneidern geworden sind, und mit der Nagelschere durch den Garten robbend, die Grashalme gestutzt haben, sind andere zum Couchpotatoe mutiert – mit verfeinerten Liege-Techniken von der rechten auf die linke Seite, und der linken auf die rechte. Da ist es vielleicht doch besser beim Grillen seine Mitte zu finden.


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