Bayern 2 - radioWelt


1

Ende der Welt - Die tägliche Glosse Goodbye Kettcar

Nach dem Ende von Kettcar ist die Menschheit auf das Laufrad zurückgeworfen und wird wohl bald nur noch mit dem Schlitten durchs Leben fahren, abschüssig ist es ja. Werden sie uns jetzt auch die Rollschuhe wegnehmen und ans Laufen gewöhnen? Dann bleibt vom Auto der Zukunft nur noch die Hupe, und die Formel eins muss mit Stelzen statt Rädern klarkommen. Eine Glosse von Peter Jungblut.

Von: Peter Jungblut

Stand: 16.10.2019

Genau genommen spielte sich unser Leben rein sehnsuchtsmäßig ja bis jetzt immer zwischen zwei Fortbewegungsmitteln ab: Dem Kettcar und dem Aufsitz-Rasenmäher. Zwischen Kinder- und Rentnertraum passten dann meist alle anderen Vehikel, also Hoverboard, E-Scooter, Mountainbike, Motorrad, Cabrio und Wohnmobil, um die hormonelle Reihenfolge einzuhalten. Mag sein, dass der eine oder die andere dazwischen noch die Entwicklungsphasen Bagger, Polizeiauto und Gabelstapler mitgemacht hat und den drohenden Haarverlust mit Geländewagen oder Rennauto kompensierte, aber der Geburtsvorgang war eigentlich erst mit dem Kettcar abgeschlossen.

Umso betrüblicher, dass der Hersteller diese Woche dichtmachte. Mit anderen Worten: Die Menschheit ist auf das Laufrad zurückgeworfen und wenn es so weitergeht, rutschen wir bald wieder auf Schlitten ins Leben, abschüssig ist es ja! Aber glauben Sie ja nicht, dass dann da unten eine Pistenraupe steht, die sie wieder nach oben bringt. Wer ohne Kettcar aufwächst, dem wird wohl nichts anderes übrigbleiben, als sich selbst zu bremsen und dabei komische Geräusche zu machen. Wie soll Deutschland da jemals wieder auf die Überholspur kommen?

Jetzt wissen wir wenigstens, was wir von dem oft gehörten Satz aus der Industrie zu halten haben, wir würden das „Auto der Zukunft“ nicht mehr wiedererkennen. Erst nehmen sie uns das Kettcar weg, dann streichen sie uns die Rollschuhe, gewöhnen uns ans Laufen und am Ende bleibt von allem, was unser Land groß gemacht nur noch die Hupe. Die allerdings mit einer langen Aufpreisliste.

Es werden wohl wieder die Stelzen in Mode kommen

Was wären unsere großen Rennsport-Legenden ohne das Kettcar? Langsamer! Vielleicht würden sie sogar auf der Stelle treten, Sie wissen ja, hätte, hätte, Fahrradkette. Weil der Mensch aber ja grundsätzlich vorankommen will, wenn er erstmal den Kindergarten hinter sich hat, werden wohl wieder die Stelzen in Mode kommen. Die haben den Vorteil, dass es dann nur noch saubere Rennen gibt, selbst durch Pfützen und Schlaglöcher. Das müsste sich nach einigen Jahren eigentlich auch positiv auf die Formel eins auswirken, wo der Schlamassel ja traditionell besonders groß ist und immer wieder was hängen bleibt. Die Frage ist, wie attraktiv dieser Rennsport ohne Reifenwechsel noch sein wird und ob der Wettbewerb dann tatsächlich auf Stelzen oder doch auf hohen Absätzen ausgetragen wird. In diesem Fall müssten sie die Polster in den Kurven allerdings deutlich verstärken.

Um den Kulturbruch kommen wir jedenfalls ohne Kettcar nicht herum. Mal sehen, wie lange es dauert, bis zur Kettler-Pleite die erste Verschwörungstheorie im Umlauf ist. Kann ja wirklich sein, dass Greta dahintersteckt oder Erich Honecker, ich sage nur so viel: Kettcar kam im Jahr des Mauerbaus auf den Markt, 1961. Die Quersumme ist 17, das wäre genau morgen. Es musste also so kommen, und Heinz Kettler hat das vermutlich von Anfang gewusst!


1