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Ende der Welt - Die tägliche Glosse Geld - Ostalgie

Alle erzählen davon, wie heute vor 30 Jahren die D-Mark in den Osten kam. Dabei schürt die D-Mark-Nostalgie nur das Misstrauen gegen den Euro. Man kann auch der "Mark der DDR" nachweinen: Die hatte immerhin in ihrer Leichtigkeit Seltenheitswert. Eine Glosse von Gregor Hoppe.

Von: Gregor Hoppe

Stand: 01.07.2020

Heute müssen wir anstandshalber der „Mark der DDR“ gedenken. Sie hauchte genau vor dreißig Jahren, mit der Währungsunion zwischen beiden deutschen Staaten, ihr Papp-Alu-leichtes Leben aus. Wer sie sich jemals, an einem der Übergänge von West- nach Ostberlin, einhandelte, im Zuge des vom Westen stets beklagten Zwangsumtauschs, fand sich auf die Probe gestellt, die erhaltene Summe bis zur endgültigen Rückreise bis 23.59 Uhr auch auszugeben. Die meisten Versuche, in ein Restaurant vorzudringen, scheiterten schon am Eingang. Natürlich mussten die Menschen in der Hauptstadt der DDR warten, bis sie an einen Tisch gesetzt würden. Allerdings herrschte fast überall in der Plangastronomie gähnende Leere, außer im Windfang der Lokale, wo ostentativ desinteressierte Kellner behaupteten, es sei alles reserviert.

Es kam auch vor, dass man sich setzen durfte, dann aber scheiterte man an der Bestellung: Weil keine Zitrone da war, war das Gedeck „Samowargesumm“ leider nicht zu haben. Es ohne Zitrone zu servieren, war unzulässig. Nur komplette Gedecke. Wobei Zucker, Tee und Kaffee heute auch nicht gekommen waren. Heißes Wasser war kein Gedeck. Kaltgetränke nur nebenan. Aber da ist alles reserviert.

Nur der kulturbeflissene Westler konnte sich noch halbwegs mit dem Kauf von Musiknoten und leichtgebundener, linientreuer Belletristik behelfen. Und seine Freunde damit beschenken: Es gab zwar überall das Gleiche, das dafür aber billig. Unmöglich, zu schleppen, was man für 25 Ostmark hätte kaufen können. Übrigens war eine Nacht in einem Ostberliner Hotel selbst für Bürger des sozialistischen Arbeiter- und Bauernparadieses nur gegen Westgeld zu haben, und das auch erstmal nur theoretisch.

Nach der Einheit soll ja das Alugeld in erster Linie in die Zulieferindustrie für unsere Autokonzerne eingeschmolzen worden sein. Das gibt allen zu denken, die sich gerne über Trabbis und Wartburgs lustig machen, und über die Plaste und Elaste aus Schkopau: Das Ostgeld könnte uns, wenn auch nur in minimalen Mengen, heute näher sein als wir es für möglich halten.

Und die „Mark der DDR“-Banknoten?

Und die „Mark der DDR“-Banknoten? Papier, sagt man, ist geduldig, und so hatten sehr viele Menschen ganz lange Zeit zu warten, bis etwas zum Einkaufen angekommen war. In der DDR waren Auslieferungswartezeiten von mehreren Jahren – etwa bei Trabbis – durchaus drin. Wie in dem bekannten Witz, als der Kunde nachfragt, „Heute in zehn Jahren? Und wann kommt der Trabbi dann? Vormittags oder nachmittags?“ Der Verkäufer antwortet: „Das ist doch vollkommen wurscht, in zehn Jahren!“ Sagt der Kunde: „Nein, nein, vormittags kommt heute in 10 Jahren schon der Klempner.“


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