Bayern 2 - radioWelt


2

Ende der Welt - Die tägliche Glosse "Geht doch" - Promis gehen reihenweise in Rente

Es geht dahin oder vielmehr sie gehen oder sie werden gegangen. Die Promis, sie hören auf oder sie müssen aufhören, aber warum gerade jetzt so viele und ist das erst der Anfang oder schon das Ende? Eine Glosse von Heike Simon.

Von: Heike Simon

Stand: 18.03.2019

Wenn jedem Ende ein neuer Anfang inne wohnt und jedem Anfang ein neuer Zauber, wie schon Hermann Hesse wusste, dann sollte ein Ende etwas Wunderbares sein. Etwa so: Der Winter ist vorbei, der Frühling regt sich, ein Füllhorn neuen Lebens und neuer Möglichkeiten tut sich auf, und … alles wird gut. Unerschütterlicher Optimismus all überall – wie schön wäre das, wäre es wahr und wäre es möglich….

Britin und Brite ahnen es schon! Dass ein Ende Großbrittaniens in der EU mit Schrecken auch einen Schrecken ohne Ende bedeuten könnte. So haben sie  mit dem ihnen eigenen Humor die Never-Ending-Strategie gewählt: Theresa May bleibt im Amt, bleibt im Amt, bleibt im Amt und das Parlament stimmt Woche für Woche, für Woche  ab, bis, ja bis die EU vielleicht doch alle britischen Wünsche erfüllt und am Ende alles gut wird – und ist es nicht gut, dann ist es auch nicht das Ende ..

…denn siehe: das Ende der Herren Müller, Boateng und Hummels in der Nationalelf – ist es gut? In jedem deutschen Durchschnittsmenschen steckt ja bekanntlich  ein Fußballcoach und der weiß: Die können Weltmeister! Aber weiß das auch der autoritäre „ich mach alles neu“-Jogi, der alles neu macht– aber auch gut? Wir konstatieren: Frühling hin oder her, der Optimismus bekommt erste Haarrisse.

Und jetzt auch noch – als wäre es der Beendigungen nicht genug-  Götterdämmerung in Schwaben und Franken: Die Herren Maly in Nürnberg und Griebel in Augsburg hängen ihr Bürgermeisteramt an den Nagel. Unverantwortlich, wie sollen wir uns jemals an andere Namen gewöhnen? Schlimm genug, dass durch den Ausstieg von Sarah W. aus allen Bewegungs- und Parteiaktivitäten – sie trug dankenswerterweise ihre politische Tendenz im Nachnamen – auch Wagenknecht wegfällt. Die Risse in unserer optimistischen Welt-Sicht nehmen bedrohliche Maße an.

Dann, gestern, das: Der Abgang unseres Felix. Wie kann es sein? Unser ewig junges Talent, unsere nationale Alpinskihoffnung, der Neureuther, Felix, beendet aus Altersgründen seine Karriere – aus Altersgründen! Kann nicht sein, sonst müssten wir ja selbst auch älter geworden sein. Diagnose: Optimismus ade!

Peter Kraus, 80 Jahre jung, ikone des deutschen Rock´n´Roll- geht auf Abschiedstournee

Schließlich der Gnadenstoß: Peter Kraus, 80 Jahre jung und damit nicht viel älter als die Stones – Ikone des deutschen Rock´n´Roll- geht auf Abschiedstournee. Von wegen „sugar, sugar baby…!“. Von ihm stammen die Zeilen:

„wenn, wenn du sagst, wenn du sagst goodbye!

Dann, dann weiß ich wir bleiben uns doch treu,

das geht nie vorbei, oh, das geht nie vorbei!“

Von wegen! Nicht, dass wir zur Generation der Fans gehören würden. Aber ein altes Möbel,  vielleicht ein wenig beschädigt, gehört doch zum Leben und sagt ja auch nicht einfach: Tschüss, ich mag nicht mehr, bin dann mal weg …

Alles in allem: Diese fahrlässigen Karriereenden ohne zauberhafte Anfangsversprechen reißen Löcher in unser Optimismus-Gebäude, die wir nicht mal ebenso mit einem Besuch beim schwedischen Möbelhaus füllen können. Da werden Unwuchten erzeugt, die uns aus dem Orbit des Alltags katapultieren. Von wegen: Anfang und Zauber! Wir fordern: Ende mit dem Ende. Ich fange mal damit an und beende dieses Ende der Welt. Alles wird gut – vielleicht!


2