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Ende der Welt - Die tägliche Glosse Ganz schön viel Staub

Feinstaub, Kohlestaub, Dieselstaub – das ist der Dunst, der über unserer Gesellschaft liegt und alles so undurchsichtig macht. Wobei sich die Frage stellt, ob die Kohlekommission spätestens 2038 eine Lösung parat hat oder ob wir auch darüber hinaus noch mit Dieselautos durch die Landschaft fahren, um qualmende Kohlekraftwerke zu besichtigen. Eine Glosse von Uwe Pagels.

Von: Uwe Pagels

Stand: 29.01.2019

Pffft – ganz schön dunstig hier, aber Sie sollen dieses "Ende der Welt" ja hören, und nicht sehen….und bis es auf unserer Bayern 2-Internetseite nachzulesen ist, hat sich der Staub ja vielleicht verzogen. Notfalls warten sie halt noch 19 Jahre, bis 2038, dann ist die Luft rein.

Immerhin haben die Vertreter der Kohle-Kommission ja 21 Stunden zusammengehockt, im gut geheizten Konferenzzimmer übrigens, bis sie sich auf diesen Kompromiss zum Ausstieg aus der Dreckschleuder-Energie, der Kohle, verständigt haben. Das ist dann 2038, und man darf, ohne sentimental zu werden, vermuten, dass das ein- oder andere Kommissionsmitglied bis dahin keine Heizung mehr braucht.

Alle anderen müssen halt warten – und sich warm anziehen, damit sie neben dem Klimawandel, dem Pseudo-Krupp und der dreckigen Luft nicht auch noch ganz normal eine Erkältung bekommen, das würde dann dem ohnehin durch den Feinstaub geschwächten Körper den Rest geben, wer will das schon.

Um zumindest politisch heiß zu bleiben, hat die SPD übrigens jetzt was ganz besonderes im Angebot, käuflich zu erwerben, also im Parteishop. Da gibt es jetzt neben Küchenkabinett-Schürzen, Juso-Baby-Bodys und dem Sticker „Willy wählen“ auch noch SPD-Warnwesten. Wovor genau die warnen sollen, ist nicht so ganz klar, vor dem Kohlestaub jedenfalls nicht, in der entsprechenden Kommission saßen ja auch SPD-Leute.

Und ob die Westen warm halten, ist auch offen. Muß auch nicht sein, die Temperatur wird ja ohnehin steigen, hierzulande, dank Klimawandel. Die Farbe der Weste übrigens: gelb, wo die Partei doch eigentlich rot hätte sein sollen, das stand mal für links. Eine Anspielung auf eine Koalition mit den Liberalen, möglicherweise, früher war schließlich alles besser,  so wie „Willy wählen“. Trotzdem hätte man  dann zumindest noch das Konterfei von Walter Scheel aufdrucken müssen. Sie wissen schon, der hoch auf dem gelben Wagen, seinerzeit noch völlig ohne Abgas-Norm. Das wäre dann Retro-Look, ist offenbar wieder in, auch AfD und andere wollen ja eine Republik wie damals, als das Deutsche noch Deutsch war.

Man sieht, alles hängt mit allem zusammen

Oder die Marketing-Strategen der Sozis sind durch den Kohlestaub so vernebelt, dass sie die Farbgebung und ihre Folgen nicht genau erkannt haben. Egal. Die Westen sind preiswert, nicht gefüttert und ohne Kapuze – vermutlich werden sie in Osteuropa gefertigt, und da ist die Luft auch nicht besser als bei uns, im Gegenteil.

Wird sie auch nicht, weil wir unsere ganzen alten Dieselautos inzwischen nach Rumänien, Bulgarien und die Ukraine verkaufen. Der ein oder andere Wagen soll ja auch nach Polen gelangt sein, manchmal sogar völlig kostenlos, Rückführung überflüssig, weil Diesel vier oder fünf. So haben wir das Problem elegant verlagert und können jetzt umweltbewusst mit dem neuen Diesel durch die Landschaft fahren, die wunderbar qualmenden Kohlekraftwerke betrachten und den Klimawandel genießen, den wir ja spätestens 2038 abstellen werden. Eine gelbe Warnweste im Kofferraum ist natürlich immer dabei.

Man sieht, alles hängt mit allem zusammen. Kohle, Diesel und die Warnwesten der SPD, Osteuropa, der Klimawandel und die Kraftwerke – und das alles bis 2038. Es wird es höchste Zeit, dass jemand mal Staub wischt…


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