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Ende der Welt - Die tägliche Glosse "Ganz großes Tennis!"

Alltag ist Alltag und langweilig. Sport ist dramatisch und immer neu. Deshalb stellt sich Martin Zöller gern seinen Alltag aus der Sicht eines Sportreporters vor - und plötzlich ist sein Leben "Dramatik pur"!

Von: Martin Zöller

Stand: 13.09.2019

Manchmal stelle ich mir vor, was wäre, wenn einmal ein Sportreporter oder eine Sportreporterin bei uns zuhause den Alltag kommentieren würde. Schon das frühe Wecker klingeln würde er jubelnd kommentieren mit „Das war ein Auftakt nach Maß!“ und mir anschließend zugestehen: „Dieser Mann ist bis in die Haarspitzen motiviert“. Dann begleitet er mich, wie ich schlaftrunken die Kinder ins Badezimmer trage, kommentiert das mit „mannschaftdienlicher Spielweise“ und dass ich einer sei, der „dahin geht, wo es wehtut“.

Zu einer besonders spannenden Schilderung führt dann der Kampf ums Müsli mit meinem Sohn, insbesondere um die Anzahl der Schokostücke: „Die beiden schenken sich hier nichts – das ist Power von der ersten Sekunde an!“. Aufgrund meines Nachgebens erkennt der Reporter sofort eine „Alibi-Veranstaltung“ und ruft: „Für den Vater war hier von Anfang an nichts zu holen!“

Atemlos geht es weiter: Erhöhte Dramatik verspricht dann natürlich jene halbe Stunde, die aus der Kombination „Kinder wegbringen“-„In die Arbeit Radln“ und „Arbeiten“ besteht. Der Reporterkommentar: „Irre, wie dieser sympathische Münchner da leichtfüßig auf allen drei Hochzeiten tanzt!“. Radln beim Regen gibt keine Extrapunkte, denn klar: „Heute gibt es keinen Schönheitspreis zu gewinnen!“

Nach der Arbeit geht es dann natürlich auf dem schnellsten Weg nach Hause, was er oder sie kommentiert mit: „Die Mannschaften gönnen sich keine Ruhepause, sie geben 110 Prozent!“. Dort steht der Tag aus Sicht des Reporters jetzt auf des Messers Schneide, denn meine Frau übergibt mir die Kinder mit einem Gestus, als habe ich den ganzen Tag am Strand gelegen. Der Reporter kann über diese Unsportlichkeit zu einem „psychologisch ungünstigen Zeitpunkt“ nur den Kopf schütteln und lapidar feststellen: „Diese Familie hat ihre eigenen Gesetze!“.

Abends lasse ich mich dann erschöpft auf die Couch fallen

Abends lasse ich mich dann erschöpft auf die Couch fallen und starte den Fernseher, was Lothar Matthäus kommentiert mit „Wäre wäre Fahrradkette!“  - denn natürlich muss ich dann wieder aufstehen, mein Sohn ruft nach Milch. Süffisanter Kommentar des Reporters: „Eine Milch würde dem Schlaf gut tun!“

Irgendwann ist alles ruhig, ich habe den „Sack zugemacht“ und liege halbtot auf dem Bett. Zum Schluss resümiert der Reporter anerkennend: „Das was wir heute gesehen haben, war ganz großes Tennis!“


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