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Ende der Welt - Die tägliche Glosse Final Countdown: Noch drei Tage bis Steuererklärung

Noch drei Tage bis Abgabe. Das soziale Leben muss warten, Corona-Lockerungen hin oder her. Während die Schulkinder sich in den seltsamsten Ferien aller Zeiten langweilen, geraten die Eltern von einem Stress in den nächsten. Homeschooling war gestern, heute ist Steuererklärung. Eine Glosse von Gabi Kautzmann.

Von: Gabi Kautzmann

Stand: 28.07.2020

Noch drei Tage bis Abgabe. Tage, an denen sich erwachsene, längst berufstätige Menschen wieder fühlen dürfen wie Schüler bei der Seminararbeit oder Studierende kurz vor dem Abgabetermin für ihre Bachelor- oder Masterarbeit. Während sich aber die Schulkinder in den seltsamsten Ferien aller Zeiten langweilen, geraten die Eltern von einem Stress in den nächsten. Homeschooling war gestern, heute ist Steuererklärung.

Noch drei Tage. Genauer: Drei Tage und gut 15 Stunden. Immerhin. Trotzdem Panikattacke. Eindeutige Symptome der Steuererklärungs-Phobie. Der Puls beschleunigt, eine leichte Übelkeit drängt nach oben. Da hilft es auch nichts zu wissen, dass man früher schon Ende Mai fertig sein musste, jetzt erst Ende Juli. Danke dafür. Bringt einen jetzt aber auch nicht weiter. Also: Einatmen. Ausatmen. Steuersoftware öffnen … – ok, veraltet. Also update laden, Kaffee kochen, Programm öffnen. Wie war nochmal das Passwort? Ach ja, steht im Ordner mit den Belegen. Mit den Belegen? Der Ordner ist leer. Ach so, der graue Karton. Was gehört jetzt wieder zu Werbungskosten und was in die Sonderausgaben? Geht der Polsterer als haushaltsnahe Dienstleistung durch? Wie lange kann man den Unterhalt für den studierenden Sprößling anrechnen? Vorsicht, Obergrenze bei dessen Nebenjob!

Anruf beim Nachwuchs: „Sag mal, was hast du letztes Jahr verdient? - Woher soll ich das wissen? – Könntest du mal nachsehen? – Ja, mach ich nächste Woche. – NEIN, ich brauchs in drei Tagen! – Hej Mama, chill mal!“ Arrrggh. Im schlauen Steuerratgeber steht: ‚Nächstes Mal früher loslegen!“ Haha.

Hat man sich erst überwunden, geht’s dann doch leichter als befürchtet

Final Countdown. Also jetzt. Rolladen runter, um das schöne Wetter nicht mehr sehen zu müssen. Raus aus den Gesprächen. Rein in Elster. Und siehe da: Interessanterweise wirkt gegen die Steuererklärungs-Phobie bei den meisten zuverlässig die Konfrontationstherapie. Hat man sich erst überwunden, geht’s dann doch leichter als befürchtet. Angesichts vertrauter Eingabemasken poppt längst verschütt geglaubtes Know-how wieder auf. Motivierend wirkt die Zahl rechts oben am Bildschirmrand, wenn sie sich mit jedem neuen Eintrag vergrößert: „Ihre voraussichtliche Steuerrückzahlung“. Tschaka. Auch ohne psychologische Hilfe schaffen es die meisten tatsächlich binnen eines Tages, sich bis zum „Jetzt abgeben“-Button durchzuarbeiten. Zumindest die angestellten Steuerzahler.

Eigentlich könnte man auch gleich die Steuererklärung fürs laufende Jahr machen, jetzt wo man wieder weiß wie es geht. Schade, dass erst Juli ist.


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