Bayern 2 - radioWelt


3

Ende der Welt - Die tägliche Glosse Falsch verwendete Redewendungen

Die eine oder andere kreative Freiheit bei einer Redewendung - das kann ja sogar ganz charmant sein. Aber man sollte es nicht übertreiben - sonst ist man irgendwann komplett auf dem falschen Holzdampfer unterwegs und andere stehen vorm Schlauch. Eine Glosse von Susanne Rohrer.

Von: Susanne Rohrer

Stand: 22.08.2019

Als ich letztens beim Friseur saß, sagt die Friseurin: "Wissen Sie, da bin ich echt aus allen Socken gefallen…" Ich auch, vor allem, als sie die Farbe grau in Zusammenhang mit meinem Haaransatz brachte – da bin ich quasi aus allen grauen Socken gefallen. Aber mal unter uns: wie gibt’s denn das? Wie kann man denn aus allen Socken fallen? Ich dachte, man könne aus den Latschen kippen, dann hätte man die Socken aber doch noch an, oder? Oder streiten sich da die Geister? Nein, natürlich scheiden sie sich.

Was macht unser Gehirn da eigentlich, das ist die Frage, die mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf geht. Redewendungen, die jedem irgendwie geläufig sind, komplett falsch zu zitieren. So wie der Sportreporter, der neulich über Sportler in der Sommerpause sagte: „Ja klar, auch so ein Sportler lässt da mal alle Viere gerade sein und streckt alle Fünfe von sich.“ Da sage ich: dafür muss man natürlich auch das richtige Geschlecht haben – wie ein Freund von mir, der unlängst meinte, er sei da schon lange mit sich schwanger gegangen. Auch das wirft Fragen auf - und natürlich dürfen Sie mich jetzt eine Beckmesserin nennen.

Klar, du kannst schon mal vorm Schlauch stehen und vermuten, das sei ein Teufelskreislauf. Aber dagegen gäbe es Tropfen…und ja, da lege ich schon wieder ganz schön viel auf Messers Schneide. Selbstverständlich freue ich mich, wenn meine Freundin ihrer Schwiegermutter ein Schnäppchen geschlagen hat – obwohl sie gar nicht im Schlussverkauf war. Wohingegen das Schnippchen schlagen schon seit dem 17. Jahrhundert bekannt ist, als Geste. Da wurde mit den Fingern geschnippt, um jemandem das Gefühl zu geben, man lege nicht so viel Wert auf ihn. Und das hat sich dann irgendwann gewandelt zu jemandem einen Streich spielen – sagt die Gesellschaft für deutsche Sprache. So wie man früher auch nicht aus allen Wolken sondern aus allen Himmeln gefallen ist – so steht es jedenfalls im Alten Testament.

 Redewendungen können sich auch verändern

Dann halte ich fest: Redewendungen können sich auch verändern – im Laufe der Zeit. Hätte früher jemand Chili mit Schokolade kombiniert? Niemals. Aber warum nicht neu kreuzen und kombinieren. Und somit sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Deswegen hat der Handballtrainer, der seiner Mannschaft unterstellt, da seien einige auf dem falschen Holzdampfer gewesen, vielleicht Recht. Und ja, auch das ginge mich nicht die feuchte Bohne an. Ich werde jetzt jedenfalls das Handtuch streichen, die Zeit ruft. Nur den kleinen Warnhinweis, den hab´ ich noch: wenn Sie jetzt auch anfangen, darauf zu achten, werden Sie es nie mehr los – das nur als Wurf mit dem Zaunpfahl.


3