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Ende der Welt - Die tägliche Glosse Ein Wheelie um den Dilly

Die Londoner können künftig wählen, ob sie auf dem Weg ins Büro lieber im überfüllten Abteil der Tube oder wegen eines E-Scooters ins Schwitzen kommen. Ab sofort soll es nämlich auch in GB an jeder Ecke Elektroroller zum Drüberstolpern geben. Alternativ kann man sie auch mieten. Eine Glosse von Nicole Hirsch.

Von: Nicole Hirsch

Stand: 08.06.2021

Die städtische Verkehrsgesellschaft „Transport for London“ ist bislang außerhalb des United Kingdom höchstens dadurch aufgefallen, dass der Zug verkehrstechnisch in der britischen Hauptstadt längst abgefahren ist. Das ändert sich nun. Denn „Transport for London“ heißt künftig, dass die Londoner wählen können, ob sie auf dem Weg ins Büro lieber im überfüllten Abteil der Tube oder wegen eines E-Scooters ins Schwitzen kommen. Ab sofort soll es nämlich auch in Großbritannien an jeder Straßenecke Elektroroller zum Drüberstolpern geben. Alternativ kann man sie auch mieten.

Bei einem Wheelie um den Dilly ist allerdings darauf zu achten, nicht mit einem Doubledecker Bus zusammen zu stoßen, dies könnte das elektrobetriebene Zirkuspony leicht aus dem Tritt bringen. Am besten trägt der Londoner beim Rollern sowieso eine Bärenfellmütze, schon aus Stilgründen. Die feine englische Art droht nämlich verloren zu gehen, gibt es doch die E-Scooter weder in Britisch Racing Green noch mit eingebautem Teetassenhalter. Dafür hat sich Boris Johnson schon ein Exemplar mit extra großer Flaggenklemme für den Union Jack am Lenker sowie einen „Big Ben“-Klingelton gesichert. Dem britischen Premier dürfte die Kopfbedeckungspflicht auf jeden Fall entgegenkommen, schließlich trägt er seit Jahren eine gut sitzende Helmfrisur.

Da bislang das E-Scootern nur auf privatem Gelände erlaubt war, kann sich Johnson schon auf seine erste Ausfahrt freuen, war doch das Rollern in Downing Street 10 etwas mühsam ohne Treppenlift. Außerdem schnurrte der Motor nicht so zuverlässig wie Kater Larry. Der Queen wiederum dürfte es egal sein, dass nun auch im öffentlichen Raum gescootert werden darf, denn ihre Liegenschaften bieten ausreichend Platz für Backflips und Vollgas-Rennen, etwa in den langen Hallen des Buckingham Palace. Die ja auch zum Rollschuhlaufen hervorragend geeignet sind, wie wir von Prinzessin Diana wissen.

Bei einer Vollbremsung, etwa an der verpassten Ausfahrt zum Brexit, kommt das Elektro-Zweirad nämlich ganz schön ins Eiern

Vorsicht ist nur auf dem Landsitz Balmoral geboten, zum einen, da sich die Bremse in Gummistiefeln schwer bedienen lässt, zum anderen, weil das Kopftuch unter dem Helm immer verrutscht. Außerdem besteht stets das Risiko, einen kläffenden Corgie zu überfahren, was wiederum zu unschönen Flecken auf dem Cricket-Rasen führen kann.

Die Investmentbanker in der City of London sollten auf alle Fälle aufpassen, dass sie sich mit dem Ärmelkanal ihrer Business Anzüge nicht im Lenkgestänge verheddern. Bei einer Vollbremsung, etwa an der verpassten Ausfahrt zum Brexit, kommt das Elektro-Zweirad nämlich ganz schön ins Eiern. Da schliddert der Rollerpilot schnell ins Ministerium für alberne Gangarten, wo Komiker John Cleese bereits eine neue Unterabteilung für E-Scooter-Fahrer eingerichtet hat.

Vorbei die Zeiten, als die britische Jugend lässig auf Lambrettas oder Vespas über die Straßen von Quadrophenia gebrettert ist. Aber Mods und Rocker sind ja nun auch längst ausgestorben. Jede Generation hat eben den Roller, den sie verdient.


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