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Ende der Welt - Die tägliche Glosse Ein Hoch auf die Geschlossenheit

Olaf Scholz und die SPD rühmen sich gerade einer neuen Geschlossenheit. Einer Neuen? Was war denn mit der Alten? Und wie geschlossen ist die CDU? Und warum ist Markus Söder die Geschlossenheit in Person? Eine Glosse von Astrid Himberger.

Von: Astrid Himberger

Stand: 13.07.2020

Olaf Scholz hat gerade etwas sehr Bemerkenswertes gesagt. Die SPD habe gute Chancen bei der nächsten Bundestagswahl die Regierung anzuführen. Gut, das ist an sich schon für eine Partei, die im jüngsten ARD Deutschlandtrend bei 16 Prozent lag, in der Tat eine bemerkenswerte Aussage. Aber noch bemerkenswerter ist die Begründung, nämlich die neue Geschlossenheit der SPD.

Wau, die neue Geschlossenheit. Das hieße ja erst mal, dass es auch eine alte Geschlossenheit gegeben hätte, doch offenbar war die SPD mit der nicht zufrieden. Interessant wäre jetzt zu wissen, was der „ich bin leider nicht Parteichef geworden - Scholz“ damit genau meint. Vielleicht meint er ja, dass man während der Corona Krise hauptsächlich ihn, den Vizekanzler und Finanzminister gehört hat. Von der Parteiführung und selbst von Kevin Kühnert, hörte man wenig. Und wenn sich Esken und Walter-Borjans doch mal zu Wort meldeten, dachte man ach ja die gibt es ja auch noch. Aber interessiert hat es dann eigentlich niemanden. Das was Olaf Scholz also eigentlich meint, ist dass die neue Geschlossenheit bedeutet, dass einfach weniger Genossen dazwischen labern.

Und schon sind wir bei der CSU. Auch da kann man von einer großen Geschlossenheit reden und die heißt Markus Söder. Denn wenn er etwas sagt, haben alle anderen zu nicken, die Klappe zu halten oder heißen Hubert Aiwanger und jammern ein bisschen. Das wiederum führt zu überragenden Beliebtheitswerten und die Chance auf die Kanzlerkandidatur.

Bei der CDU hingegen ist es etwas schwieriger. Da wollen immerhin drei Parteichef werden – und drei sind eben mehr als einer und das wiederum führt zu miserablen Beliebtheitswerten. Daher scheint man in der Union gerade darüber nachzudenken, ob man sich nicht besser kanzlerkandidatenmäßig mit der CSU zusammenschließen sollte. Also alle schließen sich um Markus Söder. Diese Geschlossenheit wiederum haben die Schwesterparteien schon zweimal versucht und sind bekanntermaßen gescheitert. Aber vielleicht sollten die Parteien in neuen, größeren Zusammenhängen denken.

Warum nicht eine noch neuere Geschlossenheit, eine Geschlossenheit 2.0 sozusagen

Die SPD Parteispitze, sie erinnern sich Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans, lobten am Wochenende gerade die gute Zusammenarbeit in der Koalition. Das klingt doch nach Geschlossenheit. Warum nicht eine noch neuere Geschlossenheit, eine Geschlossenheit 2.0 sozusagen, zusammen mit der Union, auch bei der Frage nach dem Kanzlerkandidaten? Das wäre doch was. Markus für alle.

Toll. Ahhh, da fällt mir gerade ein. Das geht ja gar nicht. Also das mit der Geschlossenheit vielleicht schon, aber nicht mit dem Kanzlerkandidaten. Denn tja Markus Söder will gar nicht Kanzler werden.


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