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Ende der Welt - Die tägliche Glosse Durchblick vor Einlass

Wirst Du gescannt, bist Du dem Ordner nicht mehr fremd. Die Krankenkassen freut’s. Wieder eine IGel-Leistung mehr. Eine Glosse von Gregor Hoppe.

Von: Gregor Hoppe

Stand: 25.06.2019

Über dem Freistaat spannt sich wolkenlos der Azur. Vergessen Sie alles, was Sie über korrekte Kleidung wissen. Es kommt jetzt tropenmäßig. Der Lichtschutzfaktor 50 möge schon auf dem Arbeitsweg breitflächig zum Einsatz kommen. Ja, was den Wüstensohn gegen die Nachtkälte feit, das hilft ihm auch unter der peitschenden Geißel des lodernden Taggestirns. Aber das hilft uns hier nicht.

Wir Bayern beherrschen einfach nicht den Trick der feingekleideten Einheimischen, die in einem vollgestopften Linienbus der römischen Verkehrsbetriebe – der allein schon ein Fall für Amnesty International – zur Aufsichtsratssitzung fahren, und daneben kollabieren halbnackte US-Touristinnen, die wenigstens nicht umfallen können.

Wer aus Gründen der Erziehung darauf besteht, vollständig bekleidet durch seinen Tag zu schreiten, für den hat der Fußballrekordmeister FC Bayern ab der kommenden Spielzeit etwas Neues: Körperscanner der kanadischen Firma „Liberty Defense“. Das hat jetzt nun mal nichts mit Jerome Boatengs sportlicher Zukunft zu tun, dem der immer weiter abdrehende Vereinsboss Hoeneß neulich bescheinigte, er wirke wie ein Fremdkörper im Club.

Nein, die Apparate mit dem sonderbaren Modellnamen „Hexwave“ sollen dabei helfen, die zur Allianz-Arena strebenden Fans zu durchleuchten, auf Waffen, Feuerwerkstechnik und andere verbotenen Gegenständen. Sozusagen im Vorübergehen. Nichts dagegen. Aber wo genau die Dinger aufgestellt werden, steht noch nicht fest. Und bedenken wir, dass Edmund Stoiber im Bayern-Aufsichtsrat sitzt, könnte der Sicherheitscheck gut und gern am Hauptbahnhof München schon beginnen, wie so manche sprichwörtlich gewordene Flugreise seligen Angedenkens.

Jedenfalls, so heißt es, verkürzten die Scanner auf lange Sicht die Warteschlangen

Jedenfalls, so heißt es, verkürzten die Scanner auf lange Sicht die Warteschlangen, die die herkömmliche Leibesvisitation an den Gattern zur Arena noch verursacht. Datenschützer in Nordamerika übrigens unterstellen Hexwave, auch Insulinpumpen und Herzschrittmacher im Durchleuchteten anzuzeigen und so peinliche Befragungen durch die Security auszulösen. Dem hält die Firma entgegen, das System und seine automatische Intelligenz lernten mit jedem Röntgenstrahl dazu. Es werde immer besser darin, Verstecktes zu entdecken.

Dem mag so sein, und es wäre alles in bester Ordnung, beschliche uns dabei nicht die Befürchtung, in absehbarer Zukunft als in die Wolle der Unterwäsche hinein blau gefärbter Sechz´ger in Fröttmanning vor aller Augen sofort schlecht dazustehen. Mit anderen Worten: „Hexwave“ könnte die Rettung fürs Grünwalder Stadion bedeuten. Im Sinne von: „I geh auf´n Sechz´ger, da kumm I o´zogn no nei!“


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