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Ende der Welt Die Vögel kehren zurück

Wer dieser Tage angespannt lauscht, bemerkt: es piept wohl … draußen und drinnen. Denn Meisen schätzen vielerlei Habitate – ob Hecken oder verwirrte Köpfe … . Eine Glosse von Norbert Joa.

Von: Norbert Joa

Stand: 25.03.2020

Wir öffnen das Fenster, wir haben gaanz viel Zeit, wir atmen tief ohne Angst, richten den Blick ins Freie, versenken uns in die Stille … obwohl … irgendwo piepst was. Und hüpft. Und flattert. Ja, sind denn alle Vögel schon da? So, als ob nix wär? Zurück aus dem Süden, just in time und machen einen auf Frühling, trotz Push Meldungen? Nun, recht besehen sind´s nicht viele – ungefähr vier - aber wir wollen nicht gleich schon wieder ein Problem erkennen. Nur: Amsel, Drossel, Fink und Star sind es – soweit ich das als Städter beurteilen kann – nicht.

Unsere Amsel war übern Winter eh nicht im Süden, sondern wie immer hinter der Garage. Und ich bin auch froh, dieser beklemmenden Tage keine Drossel vor Augen zu haben. Ein Spatz aus der Familie der Finken dagegen würde meine Laune heben und ein Star hätte natürlich was Glamouröses. - Scherz. Aber so sinds halt wieder mal Meisen – und jetzt auch noch draußen, vorm Fenster. Die im Kopf scheinen deutlich größer und weniger putzig - schließlich ernähren sie sich von Ängsten und schlechten Nachrichten. Und so kann man von Glück sagen, wenn der eigene Vogel gerade vollgefressen und träge in der Ecke liegt. Und eben nicht mit einem zum Discounter flattert, um Klopapier zu holen. Oder Pesto.

Vögeln aller Art bekommt die Käfighaltung nicht

Ja - Vögeln aller Art bekommt die Käfighaltung nicht. Dabei ist erst Tag fünf und sie dürfen hierzulande samt Herrchen und Frauchen noch vor die Tür. In den Wohnungen der elf Millionen Metropole Wuhan ist heute Tag 63 – ohne Schritte vor die Tür. Welche Vögel das gebiert, darüber macht man keine Scherze. Über andere schräge Vögel schon eher – vorgestern trat der Vizegouverneur von Texas an die Mikrofone und sprach: es könne nicht sein, dass die Wirtschaft der Coronakrise geopfert werde. Man müsse zumindest diskutieren, ob nicht besser die älteren Bürger geopfert werden sollten. Er werde in wenigen Wochen 70 und sei dazu bereit, seinen sechs Enkeln zuliebe. Nun, es war nur eine Frage der Zeit, bis wirklich alle Vögel da sind  – allerorten.

Wir konzentrieren uns jetzt nochmal, atmen tief ohne Angst, Auge und Ohr auf die lustigen Meisen gerichtet – die da draußen – und sprechen gemeinsam die dritte Strophe: Was sie uns verkünden nun, nehmen wir zu Herzen: Wir auch wollen lustig sein, lustig wie die Vögelein, hier und dort, feldaus, feldein, singen, springen, scherzen.

P.S: Und sei´s allein. Im Märzen.


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