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Ende der Welt - Die tägliche Glosse Die Vermessung Deutschlands

Mit Deutschland geht es zu Ende – aber wo genau? Derzeit wird das Land neu vermessen, und zwar auf den Millimeter! Wenn da mal nicht Berlin wieder in vier Tabuzonen aufgeteilt werden muss und die Grenze des guten Anstands in der Nordsee versinkt. Und wer weiß, welche Teile von Bayern die Donau schon am christlichen Stauwehr von Viktor Orban in Ungarn angeschwemmt hat. Wo ständig Zauneidechsen umgesiedelt werden, gehen auch Staatsgrenzen auf Reisen. Eine Glosse von Peter Jungblut.

Von: Peter Jungblut

Stand: 09.06.2021

Dass es mit Deutschland zu Ende geht, wird ja landauf, landab bejammert, aber jetzt werden wir wenigstens bald wissen, wo das genau passiert. Unser Land wird nämlich gerade neu vermessen, wie das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie in Frankfurt mitteilte. Könnte also gut sein, dass die Grenzen des guten Anstands in der Nordsee versunken sind und Berlin wieder in vier Tabuzonen aufgeteilt werden muss, weil die Satelliten feststellen, dass in Köpenick noch Wörter benutzt werden, die in Kreuzberg schon ausgestorben sind.

Und wer weiß schon, ob die Donau nicht große Teile von Bayern längst nach Ungarn geschwemmt hat. Am christlichen Stauwehr von Viktor Orban sollen sich ja immer wieder Teile der CSU verfangen. Und ob die Zigarettenstangen an der Oder unsere Ostgrenze zuverlässig markieren, sei dahingestellt. Da tauchen ja immer wieder welche mitten in Brandenburg auf. Und wer heute noch einen Atlas zur Hand nimmt, der sollte sich nicht wundern, wenn da, wo früher mal Deutschland war, nur noch Holzpreise eingezeichnet sind, die Wälder befinden sich in Amerika.

Ein Land, in dem die Zauneidechsen ständig umgesiedelt werden und die Heckenrosen jedes Jahr woanders blühen, sollte sich nicht wundern, wenn die Staatsgrenzen auch mal was Anderes sehen wollen. Höchste Zeit, dass die Landvermesser tätig werden, nach eigener Aussage arbeiten sie millimetergenau und werden Deutschland bis auf Senfkorngröße dokumentieren. Könnte also sein, dass Sie für Ihren grenznahen Kürbis demnächst eine Baugenehmigung benötigen und der Anbau von Salatgurken mit dem Auswärtigen Amt abgesprochen werden muss.

Unser Nachbarstaat ist auf Sachertorten spezialisiert

Die Österreicher würden uns ja nie verzeihen, wenn wir was rüberwachsen lassen, außer vielleicht die Haare von Senta Berger. Und da unser Nachbarstaat auf Sachertorten spezialisiert ist, ist jederzeit zu befürchten, dass er unser deutsches Eck zwischen Freilassing und Kiefersfelden mit Marillenmarmelade flutet. Da helfen dann keine Weißwurst-Bojen mehr und die Chiemsee-Renken schwimmen für uns wohl kaum Patrouille!

Wir sind alle gefragt, wenn es darum geht, Deutschlands Grenzen zu sichern. Streifen Sie sich daher sorgfältig die Schuhe ab, bevor sie ins Ausland reisen – der Sand könnte auf Sylt fehlen! Stechen Sie keinen Spargel aus, die Tschechen könnten den Hohlraum ausnutzen! Und schütten Sie ruhig alle paar Stunden einen Eimer Wasser in den Rhein, damit die Franzosen gar nicht erst auf dumme Ideen kommen. Sonst ist die EZB über Nacht auch für Sandbänke zuständig und verlangt Negativzinsen, und dabei wäre Deutschland schneller aufgebraucht als eine Riesterrente.

Schön wäre natürlich, wenn wir unsere Wildschweine überreden könnten, vom Urlaub in Dänemark ab und zu mal ein paar Wurzeln zur Stabilisierung des Hindenburg-Damms mitzubringen. Wenn Sylt erst mal keine Landverbindung mehr hat, macht die dänische Königin Margarethe die Insel glatt zur Raucherzone – und da blicken dann selbst die Satelliten nicht mehr durch!


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