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Ende der Welt Die Scheidungsrate steigt wieder

Nach dem Höchststand an Scheidungen anno 2003 gings nur noch erfreulich abwärts. Und nun – im letzten Jahr, noch vor Corona - wieder aufwärts. Wie leicht sollten wir das nehmen? Eine Glosse von Norbert Joa.

Von: Norbert Joa

Stand: 16.07.2020

Zwei Hundertjährige stehen vorm Scheidungsrichter – der blättert durch deren Unterlagen und sagt: „Ich sehe, sie sind bald 80 Jahre beinander, haben Sie sich das gut überlegt ?“ Da platzt es aus beiden heraus: „Ja, höchste Zeit, geärgert und gestritten von Anfang an!“ Darauf der Richter – erschüttert: „Warum kommen Sie erst jetzt?“ – „Wir haben uns gedacht, wir warten, bis die Kinder tot sind.“ –

In der Pause, die ich grad gelassen habe, dürften zwei Lager entstanden sein. Die einen haben gelacht, die anderen sind innerlich vereist. Ja, selbst im geschützten Raum einer Glosse ist das mit dem Trennen gar nicht so lustig. Und weil sich wieder mehr Deutsche auf den Ernst besinnen, verzeichnen wir – nach langen Jahren – wieder ein leichtes Ansteigen der Scheidungen. Anno 2019 - auf 400 am Tag – rein statistisch.

Aber auch die anderen Zahlen sind so trostlos wie interessant … man mag sich kaum trennen – die meisten Scheidungen werden tatsächlich im verflixten siebten Jahr eingereicht, knapp mehrheitlich von Frauen, die dann im Mittel 44 Jahre alt ist. Scheidungshochburg: Emden- hier fegt der raue Nordseewind besonders viele Eheringe davon. Und was einen melancholisch stimmt: Scheidungsanteil der Gruppe 25 Ehejahre und länger: 17 Prozent  - 17 von hundert Scheidungspaaren schmeißen so spät noch hin. Vor 30 Jahren warens auf der Langstrecke nur halb so viele.

Nicht lustig und drum brauchts jetzt einen Witz – also: Obwohls ständig Streit gibt, fragt der Mann seine Frau, was sie sich zum Geburtstag wünscht. -  Darauf sie, spontan: „Die Scheidung.“ – Er:  Soviel wollte ich eigentlich nicht ausgeben.

Gut, das ist politisch nicht korrekt

Gut, das ist politisch nicht korrekt und im Fünftel der Fälle, wo „Sie“ mittlerweile weitaus mehr verdient als „Er“, bitte die Worte „Mann“ und „Frau“ austauschen – was ähnlich bleiben dürfte ist das gequälte Lachen draußen im Lande. Obwohl - manchmal kommt mit der Trennung Leichtigkeit und Glück und hatte nicht die evangelische Kirche vor Jahren mal die Trauformel im Angebot: „Solange es gutgeht“? Sprich: dann halt nicht mehr, wenns nicht mehr gutgeht?

Für alle, die nun denken, der will jetzt auf Biegen und Brechen noch auf eine Art Happy End hinaus … für die habe ich noch einen Witz: Sagt der Anwalt zur Mandantin: „Wenns mit Ihrem Mann wirklich so schlimm ist, reichen wir am besten sofort die Scheidung ein”. Darauf sie: “Kommt nicht in Frage! Zwanzig Jahre habe ich ihn ertragen, jetzt will ich ihn auch nicht mehr glücklich machen!”

Wer mag, kann alle Geschlechterbezeichnungen gerne austauschen.


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