Bayern 2 - radioWelt


0

Ende der Welt Die Sache mit dem -chen

Das Schönste an der deutschen Sprache sind ihre Endungen. Und da besonders das *chen. Es macht alles viel schöner. Aus Orkan Sabine wird das Sabinchen, aus Annegret das Annegretchen und das Stückchen Kuchen wiegt am nächsten Morgen auf der Waage viel weniger als das Stück Kuchen. Aber Sabinchen ist vorbei und Günter kommt - oder wird es ein Günterchen? Eine Glosse von Astrid Himberger.

Von: Astrid Himberger

Stand: 12.02.2020

Wissen Sie eigentlich, wie viel Sabine gekostet hat? Also der Orkan Sabine? Es ist noch zu früh, um das zu sagen, meinen Sie? Nein, überhaupt nicht. Sabine hat genau 199 Euro plus Mehrwertsteuer gekostet. Ja, denn Sabine ist ein Tiefdruckgebiet und wer wollte, konnte es bei der Freien Universität Berlin sozusagen kaufen.

Aber von vorne. Seit 2002 können Privatleute beim Institut für Meteorologie der FU Berlin eine Wetter-Patenschaft übernehmen. Man tauft sozusagen ein Hoch- oder Tiefdruckgebiet. Und darf ihm einen Namen geben. Wobei der Anfangsbuchstaben der Reihenfolge des Alphabets folgt. Ein Tief kostet wie gesagt 199 Euro, ein Hoch hingegen 299 Euro plus Mehrwertsteuer. Beliebter sind übrigens die Tiefs, aber das mag einfach am Preis liegen und nicht daran, dass die Menschen einen Faible für schlechtes Wetter haben.

Aber natürlich stellt sich jetzt noch die Frage, warum nun Sturm Sabine einen Frauennamen hatte und nicht beispielsweise Sven oder Sebastian hieß. Ja, früher war das noch Programm. Bis zum Jahr 1998 waren Tiefs immer weiblich und Hochs männlich. Doch glücklicherweise wurde das nach einigen Entrüstungsstürmen – uuaah, schlechter Witz – geändert und jetzt wechselt man einfach jedes Jahr. Nächstes Jahr haben die Tiefdruckgebiete dann wieder männliche Namen und heißen dann vielleicht Stefan oder Simon.

Soweit so gut. Interessant ist allerdings, das Sabine gerade medial in Sabinchen umgetauft wird – und das ganz ohne, dass die FU Berlin Geld dafür bekommt. Da die Auswirkungen von Sabine nicht ganz so schlimm waren, sagen nun einige, es sei ja nur ein Sabinchen, also ein Stürmchen oder Orkanchen gewesen. Die deutsche Sprache ist einfach etwas Wunderbares. Man hänge einfach ein *chen an ein Wort und alles ist auf einmal viel schöner. Ein Stückchen Kuchen beispielsweise ist doch für die Waage am nächsten Tag viel besser als ein Stück Kuchen. Oder das Häuschen auf dem Lande – das klingt doch nach Geborgenheit, Ruhe und Erholung. Ein Haus wiederum klingt nach jeder Menge Fußböden, die man putzen muss.

Wir könnten doch einfach sagen, es ist ein Krischen in Thüringen

Wir sollten überhaupt viel öfter ein *chen an die Worte hängen. Das macht das Leben leichter. In Thüringen beispielsweise. Das Land befindet sich ja gerade in einer schlimmen politischen Krise. Aber warum so negativ. Wir könnten doch einfach sagen, es ist ein Krischen in Thüringen. Und die AfD –schwups, ein *chen angehängt und schon klingt doch AfDchen viel weniger rechts. Die CDU wiederum befindet sich ja gerade in einer Führungskrise. Ausgelöst durch wen? Genau, das Annegretchen. Eine Lösung dafür könnte das Laschetchen, Merzchen oder Spahnchen sein. Wobei, jetzt werden es allmählich zu viele *chens.

Also zurück zum Wetter. Sabine ist vorbei. Das nächste Hoch kommt bestimmt und das, wissen wir jetzt schon, wird Günter heißen. Dann hoffen wir mal, dass aus Günter kein Günterchen wird.


0