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Ende der Welt - Die tägliche Glosse Die neue weibliche 007

Nun ist es also Fakt: Der niederbayerische Europa-Agent Weber ist abserviert, und Ursula hat dabei gezeigt, dass sie die Lizenz zum Töten hat! Wäre sie also eine ebenbürtige Besetzung für Bond? - Nein, der ist maskulin, Gentleman, Held - aber nicht mehr lang. Denn Gerüchte sagen, dass auch da eine Frau im Anmarsch ist. Eine Glosse von Georg Bayerle.

Von: Georg Bayerle

Stand: 17.07.2019

Das war’s also, Agent Weber aus Niederbayern so was von sang- und klanglos abserviert. Von seinem Chef M – Ministerpräsident Söder – ohne mit der Wimper zu zucken den fremden Mächten ausgeliefert, angeführt von Goldfinger Macron, der selten ohne Blondine an seiner Seite auftritt; sie mit ihren erotisch geschürzten Lippen; er selbstsicher in seiner undurchsichtigen Machtfülle.

Ja, die Politik hat sich wieder einmal bei Krimi und Filmgenre bedient, um am Ende Europas Völker und Parlamentarier mit ihren Schach- und Winkelzügen zu überrumpeln. Und statt der als stolze, barbusige Frau personalisierten „Freiheit auf den Barrikaden“, lässt der kühle Strippenzieher Macron die abgehalfterte deutsche Verteidigungsministerin aufmarschieren. Als ob es keine andere Verwendung für sie gegeben hätte in ihrem Dienstbereich! Ihre Lizenz zum Töten hat sie ja innerhalb der eigenen Fraktion an Agent Weber eindrucksvoll nachgewiesen – insofern wäre sie eine ebenbürtige Besetzung für Bond, James Bond, 007, den Agenten ihrer Majestät mit der Lizenz zum... – Nein, wäre sie nicht!

Bond: maskulin, Gentleman, Held, auch wenn er mit den Jahrzehnten und Neubesetzungen immer zerrissener, flatterhafter und fragiler geworden ist. Ach, Sean Connery, dessen Worte noch geschliffener als seine Waffen waren, er steht da, mit dem Badetuch um die Hüften, in brustbehaarter Eleganz und sagt in einem legendären interkulturellen Dialog zum japanischen Kollegen, der angesichts der Bond’schen Brusthaare auf die wunderbar glatte Haut seiner Landsleute abhebt, den legendären Satz: „Ein japanisches Sprichwort sagt: Kein Vogel baut sein Nest in einen kahlen Baum.“ Alles passé. Schon bei Roger Moore wurde die Haarpracht auf der Brust als offensichtlicher Ausweis des Testosteronüberschusses lichter und so ging es weiter.

Freuen wir uns auf neue Szenen und neue Zitate

M, der Geheimdienstchef, verwandelte sich mit Judi Dench in eine wenigstens irgendwie noch burschikose Frau und jetzt? Soll der 25. und neue Bond selbst eine Frau werden! Noch ist es irgendwie ein Gerücht und es ist nicht klar, ob Macron wieder seine Finger im Spiel hat, um nach Agent Weber auch den Brexiteers noch einen mitzugeben. Klar, Agent Weber wäre hier wie dort eine Fehlbesetzung gewesen, aber mal ganz traditionell gefragt: muss es dann wirklich immer gleich eine Agent-in werden?

So wie in „Der Morgen stirbt nie“ hätte man mit Admiral Roebuck gerne zu Agent Weber gesagt: „Ich glaube, Ihnen fehlt das, was ein Mann hat für diesen Job.“ – Die Antwort darauf, müssen Sie sich jetzt selber raussuchen, wenn Sie’s interessiert. Aus, vorbei, Ende der Trauerarbeit. Freuen wir uns auf neue Szenen und neue Zitate. Irgendwer wird schon wie weiland Ursula Andress aus diesem Meer der Möglichkeiten auftauchen. Ursula von der Leyen war jetzt nicht wirklich diese Figur. Aber das kann ja wohl noch nicht alles gewesen sein!?


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