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Ende der Welt - Die tägliche Glosse Die Kobra von Herne

Herne liegt tief im Westen, wo die Sonne verstaubt. Im Nirgendwo zwischen Bochum und Gelsenkirchen. Doch jetzt kommt Herne auf einmal groß raus. Eine Kobra sorgt für viel Chaos, aber auch für einzigartige Chancen. Eine Glosse von Wolfram Schrag.

Von: Wolfram Schrag

Stand: 27.08.2019

Tief im Westen, wo die Sonne verstaubt. Ist es besser, viel besser als man glaubt. Diese Zeile von Herbert Grönemeyers Ode an seine Heimatstadt machte Bochum nahezu unsterblich. Auch wenn man das Ruhrgebiet nicht kennt. Es traf Bochum immer besonders hart: Das Opel-Werk wurde zunächst dicht gemacht und dann platt. Nokia verabschiedete sich von 2000 Arbeitnehmern und schloss sein Werk. Doch wenn Bilder von grau-braunen Fassaden über den Monitor flimmern, läuft schwermütig und trotzig im Hintergrund „Bochum, ich komm aus dir, ich häng an dir.“

Daneben Gelsenkirchen, das man ja nur wegen „auf Schalke“ kennt. Schalke 04 gefühlt Titelaspirant und doch eher im unteren Drittel der Bundesliga zu finden. Eine schwierige Geschichte. Und selbst das Gelsenkirchener Barock ist durch eine Flut von Häusern einer schwedischen Möbelmarke Geschichte, wie die Zechen und die Stahlwerke.

Und dazwischen? Rein geografisch gesehen, aber doch eher im Niemandsland, liegt Herne, besser Heeerne. Eingemeindet hat es vor einigen Jahren die Stadt Wanne-Eickel. Herne blieb, Wanne-Eickel, eigentlich ein Symbol des Ruhrgebiets, musste gehen. Ebenso wie die Zechen Shamrock oder Mont Cenis, deren Name schon Pracht, Geld und Kohle verhieß. Highlights hat Herne eigentlich: keine. Und es fällt Herne nicht ganz leicht, sich gegen die bekannteren Nachbarn durchzusetzen. Könnte man sich die Zeile vorstellen: Herne, du hast nen Pulsschlag aus Stahl. Nun ja, schwierig! Es sei denn man verkauft das Autobahnkreuz, das die Stadt in vier Bereiche teilt als solches Highlight. Du hast nen Pulsschlag aus Blech.

Herne wird in einem Atemzug mit Biarritz, Berlin oder Brandenburg genannt

Doch warum so lange über Herne sprechen. Jetzt ist der Moment da: Herne ist in den Schlagzeilen. Herne wird in einem Atemzug mit Biarritz, Berlin oder Brandenburg genannt. Im Stadtteil Holthausen ist eine Cobra entwischt. Im Ruhrgebietsslang sacht man dann wohl eher ausgebüxt.

Und weil die wirklich giftig ist, hat die Feuerwehr gleich mal vier Häuser evakuiert. 30 Personen leben nun anderswo und warten darauf, dass sich die Kobra fangen lässt. Die is aber nich blöd. Die Feuerwehr hat sich auf die Lauer gelegt. Doch die Cobra, macht ihrem Eigennamen alle Ehre: Naja Kahoutia bezeichnen sie die Schlangenexperten. Und Naja irgendwie Chaotia ist schon, was in Herne im Stadtteil Holthausen passiert. Keine Schlange, aber Fernsehteams aus aller Welt.

Und wer weiß, vielleicht verlangt die Stadt Herne bald Eintritt. Sind ja immer klamm, die Ruhrgebietsstädte. Es könnte vielleicht einen Freizeitpark geben. Immer der Mont Cenis Straße entlang, da ist es bald grüner als man glaubt. Und dort kann man die Cobra besichtigen. Vielleicht, vielleicht auch nicht. Möglicherweise wird Naja Kahoutia ja das zweite Loch Ness. Ein Mythos. Und wenn nicht. Naja, dann ist Herne weiter Herne, zwischen Gelsenkirchen und Bochum. Tief im Westen eben, wo die Sonne verstaubt.


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