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Ende der Welt - Die tägliche Glosse Die frugalen Vier

Geiz ist nicht geil, sondern eine Todsünde. Oft auch in der Wirtschaft. Wenn Paris und Berlin jetzt Corona-Hilfen für die armen Staaten Südeuropas vorschlagen, sollte die Union mitziehen. Wer blank ist, kann nicht einkaufen. Auch nicht im reichen Norden. Eine Glosse von Gregor Hoppe.

Von: Gregor Hoppe

Stand: 26.05.2020

Ähnlich wie die Familie Agnelli, Gründer- und Eigner-Clan des FIAT-Imperiums, stand auch der österreichische Schauspieler und Ifflandring-Träger Josef Meinrad im delikaten Ruf, Diners auszurichten, vor deren Beginn die Gäste am besten anderswo eine tüchtige Brotzeit einnahmen. Der Wiener Boulevard-Schmäh hat das dann in die Formel gemünzt, wonach der „Bepi“, seit er einen Rolls Royce Silver Shadow fahre, noch bescheidener geworden sei. Der Alpenrepublik hängt der Geiz als Nationalmerkmal nicht an. Normalerweise.

Von den Eltern des Michel aus Lönneberga hingegen haben schon viele das Sparen gelernt, strenggläubige Anhänger der schwedischen Staatskirche, die sie waren.

Die Dänen, die im Juni 1992 den Vertrag über die Europäische Union per Referendum ablehnten, um im Anschluss Fußballeuropameister zu werden, nannte schon Heiner Geißler, ohne dass das jemand hierzulande bemängelt hätte, stets „Pfeffersäcke“.

Und die Niederländer, die sich einst ein Weltreich ersegelten, kaum kleiner als das britische oder portugiesische, Handelsleute vor dem Herrn, binden den Genuss einer Tasse Kaffee streng an genau einen Keks, haben eine Maschine entwickelt, um auch den letzten Tropfen aus der Ketchup-Flasche zu kriegen, und knicken die Klopapierrolle, damit Gäste nicht zu vehement, sprich verschwenderisch abrollen.

Somit haben wir die derzeit so heiß debattierten „geizigen Vier“, um nicht zu sagen das „Quengel-Quartett“, beisammen: Österreich, die Niederlande, Dänemark und Schweden stemmen sich gegen den von Berlin und Paris vorgeschlagenen Corona-Hilfsfonds. Kredite gern, so ihr Standpunkt, Geschenke nein!

Kredite gern, so ihr Standpunkt, Geschenke nein!

Blenden wir kurz zurück in die Finanzkrise, als Mario Draghi, damals EZB-Präsident, mit spärlichen Worten das wärmende Gefühl verbreitete, es sei, egal, was geschieht, auf alle Fälle genug Geld da, für alle. Der Normalverbraucher hatte kaum kapiert, warum die ganze Kohle auf einmal weg war, noch dazu von den Banken selbst verpulvert aus Jux und Dollerei, da waren sofort noch größere Goldberge greifbar, zur Beruhigung der Beteiligten. Wie das ging? Keine Ahnung. Aber Vieles, alles wahrscheinlich, ist Psychologie, gerade in Krisenzeiten.

Daher sollten wir alle auch jetzt nicht nur auf die Bilanz schauen. Für Europas Identität sind Sizilien und Sevilla so systemrelevant wie die Deutsche Bank! Mindestens. Besondere Zeiten, besondere Mittel. Und wenn wir Deutsche und die uns leitende Bundesregierung einmal weder als Zahlmeister noch als Musterknaben auftreten, ist das ja wohl wahrlich eine Ausnahmesituation!


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