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Ende der Welt - Die tägliche Glosse Der Spaß mit dem Titel

Wer möchte denn heute noch einfach Manager sein – das ist man nicht mehr. Unter „Head of“ oder noch besser „Leader of“ sollte keiner mehr arbeiten müssen. Noch innovativer ist natürlich die Variante von Tesla-Chef Elon Musk – der allerdings nicht einfach Chef ist. Er beweist, dass man King werden kann – ganz ohne Queen. Eine Glosse von Susanne Rohrer.

Von: Susanne Rohrer

Stand: 13.04.2021

Darf ich Sie mal fragen, was Sie beruflich machen? Und jetzt bitte nicht überstürzt antworten, möglicherweise mit etwas so Lapidarem wie „Ich bin Kundenbetreuer oder Verkaufsleiterin“ – das wäre ja wirklich aus dem vorigen Jahrtausend. Denn natürlich sind Sie längst zum Account oder eben Sales Manager aufgestiegen. Naja, was heißt aufgestiegen – ist im Grunde dasselbe, klingt aber halt besser. Studien beweisen, dass Menschen motivierter arbeiten, wenn Sie einen Titel haben – oder noch besser: sich einen aussuchen dürfen.

An dieser Stelle der Tipp: belassen Sie es bitte nicht beim Manager, denn Management kann heutzutage jeder. Suchen Sie sich was Klangvolles mit „Head of“ oder noch besser „Leader of“. Das kommt an. Wenn ich als aktueller Head of Morningshow zu Ihnen spreche, der Sie gerade als Leader of housekeeping einmal durchsaugen, geht uns beiden die Arbeit doch gleich leichter von der Hand.

Oder noch innovativer – Sie lassen sich von Elon Musk, dem Chef von Tesla inspirieren

Oder noch innovativer – Sie lassen sich von Elon Musk, dem Chef von Tesla inspirieren. Der ist natürlich nicht einfach der Chef. Der ist auch nicht mehr nur CEO, also Chief Executive Officer. Der hat sich jetzt höchstselbst umbenannt in „Technoking of Tesla“ und das auch hochoffiziell der US-Börsenaufsicht gemeldet. Das lässt natürlich auch die Herzen aller Königstreuen höher schlagen. Und zeigt: der Mann ist sensibel und bescheiden und lässt sich noch ein bisschen Luft nach oben für die Zukunft, denn der Titel „Technik-Gott“ ist noch frei im Unternehmen.

Da möchte man Elon Musk, dem Noch-Technoking, doch direkt eine Werbeaktion des asiatischen Marktes ans Herz legen. In Taiwan hat neulich eine Sushi-Kette all jenen, die das Wort Lachs in ihrem Namen führen, ein kostenloses All-you-can-eat-Menü für sich und 5 Freunde in Aussicht gestellt. Und nein, das ist nicht ungerecht, da muss keiner mit seinen Vorfahren hadern, die nichts mit Lachs im Stammbaum führen. In Taiwan kann sich jeder immerhin dreimal im Leben umbenennen.

Und so gibt es nun in Taiwan eine Menge Menschen, die Lachs heißen. Wobei sie nicht einfach nur Lachs heißen, denn warum kleckern, wenn man auch klotzen kann – und das eben nicht nur bei der Berufsbezeichnung. Es gibt klangvolle Namen wie „Lachs-Prinz“ oder auch „Meteor-Lachs-König“. Ein besonders findiger Sushi-Liebhaber hat sich gleich 36 neue Schriftzeichen ausgesucht, da sind im neuen Namen quasi perspektivisch auch gleich noch ein paar Meeresfrüchte drin. Languste zum Beispiel und auch Krebs und Krabbe. Aber damit bleibt die King-Crab in jedem Fall Elon Musk vorbehalten – so viel Feudalismus muss auch am Sushi-Buffet möglich sein.


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