Bayern 2 - radioWelt


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Ende der Welt - Die tägliche Glosse Der Bär steht vor Bayern!

Hetzt die Alpenrepublik Wildtiere auf Bayern, um von ihren gesperrten Landstraßen abzulenken? Im Tiroler Reutte wurde schon wieder ein Braunbär gesichtet: Kommt zum zweiten Mal seit 1835 ein gefährlicher Migrant über die Grenze? Eine Glosse von Heinz Gorr.

Von: Heinz Gorr

Stand: 26.06.2019

John F. Kennedy hatte keine Scheu, sich zumindest per Aussprachehilfe mit dem Wappentier der geteilten Stadt zu identifizieren: "Ish bin ein Bearleener" stand auf seiner Karteikarte, als er heute vor 56 Jahren die geflügelten Worte sprach. Der englische bear garantierte dem US-Präsidenten die richtige Phonie für ein geschichtsträchtiges Bekenntnis zur Freiheit.

Gegenwärtig ist man dabei, mühsam errungene und zuletzt vor den europäischen "Schicksalswahlen" vielbeschworene Freiheiten einzuschränken oder ganz aufzuheben. Wer am vergangenen Wochenende versuchte, der laut EU-Grundrechte-Charta, Artikel 45, gewährten Freizügigkeit auf Tiroler Landesstraßen zu frönen, wurde auf die Freiheit verwiesen, ein Mautpickerl zu kaufen. Und konnte wegen diverser Staus stundenlang das subalpine Panorama von Lärmschutzwänden und Leitplanken auf Autobahnen in slow motion genießen. Auf die empörten Proteste und Klagedrohungen bayerischer Politiker von München bis Berlin reagiert die Alpenrepublik äußerlich gelassen, insgeheim aber setzt sie auf Infiltration des Freistaats und profitiert dabei vom unwegsamen Gelände einer langen gemeinsamen Grenze.

Das haben die Österreicher schon einmal praktiziert: Nachdem der gewitzte Migrant damals endlich identifiziert war, analysierten bayerische Behörden mit der gewohnten Gründlichkeit sowie einer fast einjährigen Recherche den Fall und stellten für künftige invasive Unternehmungen solcher Delinquenten einen Managmentplan auf.

Problembär Bruno versetzte ganze Landstriche in Angst und Schrecken

In den akribischen Ermittlungsakten wurde folgendes Täterprofil festgehalten: "Er zeigte eine von seiner Mutter erlernte, starke Futterkonditionierung und suchte gezielt einzeln stehende Häuser und Siedlungsbereiche auf." Damit war nicht Andreas Gabalier gemeint, sondern jener mit dem Kürzel JJ1 (oder JayJayOne) bezeichnete Braunbär, ein Wanderer aus dem Trentino, der als Problembär Bruno berühmt wurde: Schließlich hatte er ganze Landstriche, nicht zuletzt die halbe Staatsregierung unter Edmund Stoiber in Angst und Schrecken versetzt.

Dieser Tage wurde wieder ein Bär im Tiroler Pitztal von Wildkameras gesichtet, man munkelt von Rotwildkadavern und gerissenen Schafen… Klar, die Nachbarn wollen von ihren Straßensperrungen ablenken, eine Drohkulisse aufbauen: "Vielleicht ist er ja schon in Bayern“, wird der Amtsveterinär in Reutte zitiert, der sich dabei ein Lachen nicht verkneifen kann. Liebe Tiroler: Seid's gscheid und behaltet den Braunen bei Euch! Niemand in Bayern will, dass sich der 26. Juni 2006 wiederholt, als Bruno nahe Bayrischzell sein Leben aushauchte…


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