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Ende der Welt - Die tägliche Glosse Der Anti-Diät-Tag

Jetzt ist´s auch schon wurscht, ob noch eine Wurscht mehr auf dem Teller liegt oder es am Abend ein Bierchen mehr wird. Die wachsenden Speckröllchen kriegt in Corona-Zeiten eh niemand zu sehen. Ganz im Sinne des alljährlichen Anti-Diät Tags am 6. Mai: Vergesst Paleo-Ernährung, Low Carb und Low Fat! Es wachse das Hüftgold! Eine Glosse von Ulrike Nikola.

Von: Ulrike Nikola

Stand: 06.05.2020

Für die britische Feministin Mary Evans Young kommt die Corona-Pandemie gerade recht. Denn seit den 1990er Jahren hat sie den heutigen 6. Mai zum Internationalen Anti-Diät-Tag erklärt. Und noch nie zuvor sind weltweit so viele Menschen ihrem Appell gefolgt: Esst nach Lust und Laune! Esst so viel ihr wollt! Vergesst Schlankheitswahn und Schönheitsideale!

Jetzt in der Corona-Zeit muss eh niemand eine gute Figur machen oder haben – Schwimmbäder sind geschlossen, Fitnessstudios dicht und im home office fallen niemandem die wachsenden Speckröllchen unter dem Schlabber-Hausanzug auf. Der zwickt nicht an den Hüften, und spannt auch nicht über dem Bauch. Befreit von jeglichen Konventionen und kleinen Konfektionsgrößen sehen die Kolleginnen und Kollegen über die Skype-Konferenz sowieso nur die allmählich runder werdenden Pausbäckchen.

Ach ja, im home office lässt es sich gut futtern: im Kühlschrank steht noch das leckere Tiramisu von gestern Abend und überhaupt ist es eh schon wurscht, ob man sich noch eine Extra-Wurst auf seinen Teller lädt oder nicht. Und wenn der Biergarten um die Ecke nichts ausschenken darf, dann schenken wir uns halt daheim ein Bierchen ein, oder auch zwei oder drei.

Statt Mundschutz nähen wir nach Corona dann den Bund von Röcken und Hosen weiter

Und was passiert nach Corona? Wenn wir irgendwann am Strand wieder eine Bikini-Figur vorzeigen könnten und das Six Pack nicht am Henkel, sondern unter dem Shirt tragen wollen täten? Statt Mundschutz nähen wir dann den Bund von Röcken und Hosen weiter und Millionen Deutsche werden wieder versuchen abzunehmen – das ist dann der altbekannte Jojo-Effekt: Von dick zu dünn – und spätestens mit der nächsten Pandemie wieder von dünn zu dick.

Bis dahin erzählen uns auch wieder unzählige Ernährungs-Gurus wie gut die Paläo-Diät der Steinzeitmenschen ist, wie prima es sich Low Carb ohne Kohlenhydrate leben lässt oder Low Fat – damit jeder sein Fett ab-kriegt. Und ob nun mit oder ohne Anti-Diät Tag: am 6. Mai dämmert es uns, dass Diäten überzogen sind, im Bundestag wie auch beim Essen. Und vielleicht ist es ja in Zeiten von Rezession und Kurzarbeit gar nicht so schlecht, sich wenigstens ein bisschen Hüftgold zu zulegen.


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