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Ende der Welt Das Ur-Kilo

Wie viel wiegt eigentlich so ein Kilo? Jetzt sagen Sie: "Blöde Frage, natürlich 1000 Gramm." Falsch, 1000 Gramm minus a bissl was. Das Ur-Kilo hat nämlich ein Gasleck und deswegen braucht’s jetzt ein Neues. Eine Glosse von Helmut Schleich.

Von: Helmut Schleich

Stand: 16.11.2018

So, heute machen wir mal Physik. „Das Plancksche Wirkungsquantum ist das stets gleiche Verhältnis des kleinstmöglichen Energieumsatzes zur Schwingungsfrequenz.“ Was? Sie fragen sich, was das sein soll? Ja das müssen sie schon wissen. Spätestens ab morgen, sonst sind sie womöglich von gestern. Mit dem Planckschen…äh.. Dingsda wird nämlich am heutigen Tag das Kilo neu definiert.

Bis jetzt war das ja immer noch so ein Metallstück, verschlossen in einem Tresor irgendwo bei Paris, von dem man gesagt hat, das ist das Ur- Kilo. Soviel wiegt ein Kilo auf der ganzen Welt. Das Metallstück ist auch kopiert worden und verschickt, 1983 haben wir es sogar den Chinesen gegeben und gesagt, wenn ihr mit uns Handel treiben wollt, bitteschön, das ist die Masseinheit.

Das Problem ist jetzt aber gewesen, dass das Kilo gar kein Kilo mehr wiegt, sondern - halten Sie sich fest - 50 Mikrogramm weniger. Durch Gasverlust, heißt’s. Keine Ahnung. Auf jeden Fall hat da die Wissenschaft jetzt Alarm geschlagen weil durch diesen Gewichtsverlust natürlich nicht nur dem Beschiss Tür und Tor geöffnet wird, sondern Industrie, Informatik, Klimaforschung, im Grunde nichts mehr präzise arbeiten kann. Und das merken die erst jetzt!

Die bayerischen Metzgereifachverkäuferinnen waren da viel wacher. Warum fragen die denn, seit ich denken kann, bei jedem Aufschnitt: „Derf’s a bisserl mehrer sein?“ Weil sie instinktiv gespürt haben, dass das Ur-Kilo gar kein Kilo mehr wiegt. So fair geht’s im bayerischen Lebensmittel- Einzelhandel zu.

Von diesem Instinkt sollten wir uns viel mehr leiten lassen. Wir sollten die Gelegenheit nutzen und alle möglichen Maßeinheiten überprüfen. Oder noch besser, neue Maßeinheiten festlegen. Nicht nur in der Physik. Auch gesellschaftlich und politisch. Selbstbesoffenheit zum Beispiel wird ab sofort in „Trump“ gemessen.„Macron“ wäre dafür auch eine geeignete Einheit. Wenn man sich dem sein royales Gebaren anschaut, kann man’s wahrscheinlich fast 1:1 umrechnen.

Flüssigkeit wird in Litern gemessen, Überflüssigkeit in „Nahles"

Flüssigkeit wird in Litern gemessen, Überflüssigkeit in „Nahles". Demut misst man in „Hoeneß". Wobei der Hoeneß selber da nur auf 10 hoch minus 10 Millihoeneß kommt. Aber es hätte doch was. Grade in einer Zeit, von der es immer heißt, es fehlen die Werte, hätte man da wieder klare Maßstäbe.

Man könnte es sogar machen wie beim Ur- Kilo. Und die alle miteinander in einen Tresor packen und erst Jahrzehnte später wieder herausholen. Für die Frau Nahles wäre das ja direkt eine Hoffnung. Da sagt man dann: Schau, die war einmal das Ur- Maß für Überflüssigkeit, aber es ist weniger geworden.

Eben alles eine Frage der Perspektive.


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