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Ende der Welt - Die tägliche Glosse Das Hemdenwunder von Brüssel

EU-Gipfel im Hochsommer in Brüssel. Das kann schweißtreibend und mal länger werden - die Beteiligten dürften einen Hemdenverbrauch an den Tag gelegt haben, der sich sehen lassen kann. Wie Fußballer oder Ausdauersportler. Edmund Stoiber hätte darüber nur lachen können. Er hat ja Karin. Eine Glosse von Christian Klos.

Von: Christian Klos

Stand: 23.07.2020

Also das mit dem Trikottausch zwischen den gegnerischen Mannschaften ist eigentlich Usus in den höheren Klassen des Weltfußballs - das macht man nach dem Spiel, wenn die Leibchen schön verschwitzt sind, der ein oder andere Blutfleck vielleicht noch oben drauf ist - das macht die Sache noch wertvoller. Jetzt, in Corona Zeiten allerdings nicht unbedingt.

Aber der gute Rabbi Matondo von Schalke 04 muss da was durcheinandergebracht haben - mal eben so das Trikot des Erzrivalen aus Dortmund von der Borussia anzuziehen, war ein schwerer Fehler - die Schalke Fans, sowieso mit ihrem Club schon am Rande des Wahnsinns ob der miserablen Saison, waren beleidigt. Zu recht. Regeln müssen eingehalten werden.

Auch in der Politik. Man hörte ja, dass einigen hochrangigen Politikern auf dem EU-Gipfel neben der Puste auch die Hemden ausgegangen sein sollen.

Gab ja schon immer den Begriff des "Drei-Hemden-Gipfels". Diesmal war es der zweitlängste Gipfel aller Zeiten und damit der „Mir-gehen-die Hemden-aus-Gipfel.“

Ich glaube sie wollten den Rekord brechen - der stammt aus dem Jahr 2000, das war Nizza. Aber die letzten 25 Minuten schafften sie wohl nicht mehr - wissen Sie, wie Polyester-Hemden nach einer „Übertragzeit“ riechen können?

Es würde einen nicht wundern, wenn Angela Merkel mit schmerzverzerrtem Gesicht aufgestanden wäre und gesagt hätte: "Meine Herren, es reicht." Ihr selber sollen ja auch die Blazer ausgegangen sein...

Da erinnere ich mich gerne an Edmund Stoiber, vielmehr an seine Gattin Karin. Karin war also im Hause Stoiber zuständig für die Bekleidung von Herrn Stoiber, wenn er auf Dienstreisen ging. Und einmal hat sie zugegeben, wie das ablief: Sie stellte alles zusammen. Unterwäsche, Socken, Hemden, Krawatten, Krawattennadeln, Anzughosen, Sakkos. Für jeden Tag eine neue Garnitur - passend!

Aber jetzt kommt das Geheimnis des Erfolges

Es soll keiner sagen, Stoiber hätte nicht gut angezogen ausgesehen.

Aber jetzt kommt das Geheimnis des Erfolges: Karin hat Edmund post-its auf die Sachen geklebt. Da stand der jeweilige Wochentag drauf, an dem er das passende Outfit zu tragen hat. Da konnte gar nichts schiefgehen. Ersatz war eingeplant. Im Koffer. Mit post-it und der Aufschrift "Ersatz", wieder auf Unterwäsche, Socken, Krawatte, Krawattennadel, Anzughose, Sakko und Hemd.

Das war der wahre Grund, warum Stoiber immer nach Brüssel zur EU wollte - er wäre immer vorbereitet gewesen. Immer!


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