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Ende der Welt Danke den Frauen

Frauen verdienen weniger Geld, leisten mehr unbezahlte Arbeit und sind häufiger arm als Männer. Nebenher bringen sie unsere künftigen Arbeitskräfte zur Welt und schmeißen den Haushalt. Norbert Joa will einfach mal Danke sagen.

Von: Norbert Joa

Stand: 22.01.2020

Es ist an der Zeit, einfach mal Danke zu sagen. Danke, ihr Frauen und Mädchen dieser Erde – für täglich zwölf Milliarden Stunden unbezahlter Arbeit. Danke fürs Kümmern, Pflegen, Kochen, Waschen, Einkaufen, Nachhilfe geben, Brennholz sammeln und das Gebären von künftigen Arbeitskräften. So viel Schmerz, soviel Herz, soviel Energie und so viel Zeit steckt in alledem. Drum verdient ihr auch weniger Geld und seid häufiger arm als wir Männer. Ich weiß, mancher wird jetzt sagen, das ist billig, weil ein Wort ja nichts kostet, und doch soll man´s nicht gering schätzen, das kleine und doch so feine Wort: DANKE. Ich spreche hier auch für alle Teilnehmer in Davos, denn dort weiß man genau: was gibt es wertvolleres auf Erden als kostenlose Wertschöpfung?

An der Stelle haucht mir mein Kollege ins Ohr: „Bist Du wahnsinnig? Hast Du eine Ahnung, was das für einen Shitstorm auslösen kann? Die Ironie versteht doch kein Mensch." Nun, da bin ich mir erstens nicht sicher und zweitens halte ich es für gut möglich, dass bereits einige versonnen genickt haben zum bislang Gesagten.
Ja, habe ich Ihnen aus der Seele gesprochen? Sind Sie ein Mann oder eine Frau? Schad, dass ich Sie nicht sehen kann – ich kann aber die Kommentare lesen, unter tagesschau.de  - zu dieser Meldung, dass in Sachen weltweiter Ungleichheit die Frauen die großen Verlierer sind. Also – was jetzt kommt, ist nicht von mir, sondern einfach abgelesen …    

„Das Gehalt ist der männliche Beitrag zum Gelingen des Familienlebens. Der weibliche die Hege und Pflege der Kinder und des Haushalts, was der Natur des Menschen nun mal auch entspricht. Der Umgang mit dem eigenen Nachwuchs schafft einen emotionalen Mehrwert, der finanziell nicht zu beziffern ist. Was wäre, wenn Männer von ihren berufstätigen Müttern einen finanziellen Ausgleich für entgangene emotionale Bindung verlangen würden?“

"First level support rund um die EDV leisten fast immer wir Männer"

Zitat Ende. Nicht schlecht, H e r r  … nein, Specht heißt er nicht. Und weiter zum Nächsten:  „Wir Männer nehmen härtere Berufe und längere Pendlerwege in Kauf, um erfolgreich zu sein und sterben dafür früher. Steuererklärung, Geldanlage und first level support rund um die EDV leisten fast immer wir Männer“. – Wow – „First Level Support“ – Dagegen hier: „Wer bezahlt mir meine Gartenarbeit, wer repariert defekte Geräte, wer recherchiert nach günstigen Strom- und Gastarifen? Dass die Frauen älter als die Männer werden - trotz Mehrbelastung durch Haushalt und Kinder - bleibt mir ein Rätsel.“ – Zitat Ende.

So habe ich das noch gar nicht gesehen: mehr unbezahlte Arbeit, weniger Lohn, größere Armut - und am Ende auch noch länger leben. Das ist schon frech.

Und wie sich das Fußvolk so in den Chatrooms beharkt, wie Männer und Frauen wie bestellt in die Schützengräben steigen, steigt in Davos die Heiterkeit. Dort, wo die Vertreter von dem einen Prozent der Menschheit sitzen, dem die Hälfte des Weltvermögens gehört. Hauptsache, es ändert sich nix.


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