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Ende der Welt Countdown - der Weihnachtskartenwahnsinn

Zu Weihnachten werden Weihnachtskarten geschrieben. Eigentlich ganz einfach. Anscheinend komplizierter wird es heutzutage wenn Bundesministerien oder Beauftragte der Bundesregierung eine Weihnachtskarte schreiben. Eine Glosse von Barbara Kostolnik.

Von: Barbara Kostolnik

Stand: 20.12.2018

Oh Du Fröhliche – bald ist es vorbei. Die besinnungsloseste Zeit des Jahres biegt in die finale Runde ein. Geschenke-Jäger und –Jägerinnen haben noch ein paar letzte atemlose Tage vor sich, um das Internet zu durchwühlen und last minute etwas herauszufischen, das garantiert nicht mehr vor dem 24. ankommt und am 27. definitiv umgetauscht oder weggeschmissen wird. Aber Geschenke sind ja noch das mindeste Problem in einer Gesellschaft, die alles auf die Goldwaage legt, vor allem das gedruckte Wort.

Weihnachtskarten sind in diesem Zusammenhang besonders problematisch: sie können ähnlich explosiv und troll-triggernd wüten wie Fundamental-Kritik am Papst oder an Beatrix von Storch und bescheren im schlimmsten Fall einen Shitstorm, wo man doch einfach nur Ruhe, Frieden, Glockenläuten haben möchte.

Den besten Shitstorm, umwabert von bräunlichen Myrrhe-Schwaden, befeuert von national-konservativen Empörungs-Aposteln, erntet gerade Annette Widmann-Mauz, Integrations-Beauftragte der Bundesregierung: sie hat vor lauter sicher höchst integren Integrations-Absichten einen schweren Faux-Pas begangen, quasi eine weihnachtliche Geisterfahrt. Wie ist es zu erklären, dass die Frau auf ihrer offiziellen Weihnachts-Karte Weihnachten mit keinem Wort erwähnt, sondern vielmehr den unverantwortlichen Satz schreiben lies: „Egal woran Sie glauben…wir wünschen Ihnen eine besinnliche Zeit und einen guten Start ins neue Jahr“. Egal, woran Sie glauben? Na, an den Untergang des Abendlandes, wenn das so weitergeht! Sie wissen, wie das läuft: erst schreibt man kein Weihnachten mehr auf die Karten, dann schafft man die Feiertage ab, und am Ende ist alles Mekka.

Was für eine Karte kommt wohl aus dem Heimatministerium von Horst Seehofer?

Nun kann man es natürlich schlichter angehen, mit der Karte, wie etwa das Verteidigungs-Ministerium: „Frohe Weihnachten und ein gesundes neues Jahr“, dem wir keinen Hang zum Zynismus unterstellen wollen: Menschen, die von Berufs wegen mit Waffen hantieren und gelegentlich aufeinander schießen, können solche frommen Wünsche sicher gut gebrauchen. Das Außenministerium, ganz offensichtlich seit dem Einzug von Heiko Maas, dem lustigen Saarländer, ein Hort ungezügelter Kreativität, schickt sogar ein Weihnachts-Video mit dem Making-Of der Weihnachtskarte. Die, wie man dem Video entnehmen kann, ein paar Mal um die Welt reist, um diplomatisch korrekt abgestimmt zu sein, bevor der Minister von Hand „Frohe Weihnachten“ auf ein weißes DIN-A-4-Blatt kritzelt.

Einfach nur Weihnachten. Schnörkellos. So geht das, Widmann-Mauz. Wir übersehen an dieser Stelle mal geflissentlich, dass die Karte eine katastrophische CO2-Bilanz aufweist, aber wer einen Wald roden lässt, um Braunkohle zu verfeuern, denkt vermutlich keine Sekunde über so etwas Lächerliches wie die Erderwärmung nach.

Was für eine Karte kommt wohl aus dem Heimatministerium von Horst Seehofer? Eine mit Ochs und Esel? Einem Kometen, der leise am Horizont verglüht? Lieber nicht zu viel Symbolik. Ein kleiner Heiland reicht schon.


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