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Ende der Welt - Die tägliche Glosse Chipstütenkrieg

Besitz und Tragen von Kartoffelchips sind in Deutschland zwar noch erlaubt, aber nach dem Nachbarschaftskrieg von Bielefeld dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis dafür ein Waffenschein nötig ist. Vier Mädchen waren sich über eine Tüte so sehr in die Haare geraten, dass schließlich dreißig Verwandte aufeinander los gingen. Und dass, obwohl die Adventszeit doch gerade erst begonnen hat! Was, wenn als nächstes Dominosteine fliegen, Morgenzimtsterne oder Weinbranddrohnen zum Einsatz kommen? Suchen Sie am besten Schutz unter einem robusten Elisenlebkuchen! Eine Glosse von Peter Jungblut.

Von: Peter Jungblut

Stand: 02.12.2020

Weiß doch jeder, dass Kartoffelchips gefährlich sind und eigentlich nichts in Kinderhänden verloren haben. So eine geballte Ladung aus Fett und Salz kann ja jederzeit einen Cholesterinspiegel hochgehen lassen, Personenwaagen ausschalten oder gute Vorsätze durchsieben. Vermutlich machen Chips den Gegner sogar schneller bewegungsunfähig als halbautomatische Eiswaffeln oder ein Popcorn-Regen mit Karamellzündung.

Auch da bleiben Sixpacks bekanntlich meist auf der Strecke, aber zur unmittelbaren Selbstverteidigung gegen aggressive Idealfiguren scheinen Chips doch die beste Wahl. Keine Ahnung, wo das im Grundgesetz genau geregelt ist, aber ihr Besitz ist in Deutschland ebenso erlaubt wie das öffentliche Tragen, sogar in Krisengebieten wie Bielefeld. Und prompt lösten sie in einem dort tobenden Nachbarschaftskrieg kürzlich eine gewaltige Schlacht aus, obwohl es bei Chips in der Regel nicht zu Frontbegradigungen kommt, sondern eher zu Ausbuchtungen. Wie die Polizei mitteilte, hantierten zunächst vier Mädchen mit der fraglichen Chipstüte und gerieten darüber dermaßen in Streit, dass sich schließlich dreißig Verwandte prügelten.

Wetten, da lag Paprika in der Luft? Was bleibt, ist natürlich ein ungeheurer Rachedurst, so gesalzen, wie das Zeug nun mal ist. Und das Beunruhigende: Die Polizei vermutet in der Wohnanlage weitere Kalorienbomben, manche sogar mit Käse überbacken. Die Erdnussflips fliegen nun mal tief, in Bielefeld, und eine Salzstange ist schnell gezückt.

Das einzig Tröstliche daran: In solchen Knabber-Duellen geht meist keiner der Beteiligten siegreich vom Platz, höchstens schnaufend von der Matratz, und das auch nur, wenn die nicht einsinkt. Wirklich kein schöner Anblick, den die Polizei in Bielefeld da aushalten musste, hoffentlich hatte sie wenigstens einen Handstaubsauger dabei. Oder musste sie jeden Krümel mit weißer Kreide markieren, auf das der Tatortreiniger die Orientierung behielt?

Da deutet sich ein neues Gleichgewicht des Schreckens an -  naja, vielleicht eher ein Weichgericht des Schleckens

Von zehn Leichtverletzten war hinterher die Rede, die Tüte wurde im Polizeibericht zwar nicht eigens erwähnt, wird aber wohl nicht mehr zu retten sein. Das Beschämende daran: Die Adventszeit hat ja gerade erst begonnen, das heißt die wirklich verheerenden Waffen kamen beim Angriff auf das Idealgewicht noch gar nicht richtig zum Einsatz: Morgenzimtsterne, Schleuderhonigriegel, Dominosteine und Weinbranddrohnen! Und wissen Sie was? Alfons Schuhbeck experimentiert nach eigenen Worten in dieser angespannten Lage mit einem Rumtopf! Da deutet sich ein neues Gleichgewicht des Schreckens an -  naja, vielleicht eher ein Weichgericht des Schleckens, ist aber genauso gefährlich.

Am besten suchen Sie rechtzeitig Schutz unter einem einigermaßen stabilen Elisenlebkuchen oder verkriechen sich in eine möglichst geräumige Hohlschokolade, bis Weihnachten und Silvester vorbei sind. Bis dahin dürften sich unter Bielefeld entweder die Apfelspalten geöffnet haben oder der Glühwein ist soweit über die Ufer getreten, dass der genaue Grenzverlauf zwischen den verfeindeten Familienclans nicht mehr zu erkennen ist. Knusper, knusper, knäuschen, bleiben Sie im Häuschen!


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