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Ende der Welt - Die tägliche Glosse Burger ade!

Während die Selbstoptimierung immer mehr zur Diät zwingt, kommt die Rettung vor der lebenslänglichen Fastenzeit wie so oft aus Amerika: Der heutige Internationale Tag des Junkfoods feiert den Currywurst und Burger-Exzess. Nichts scheint so schwierig zu sein, wie ein gesunder Mittelweg. Eine Glosse von Georg Bayerle.

Von: Georg Bayerle

Stand: 21.07.2021

Kochtopf an Kühlschrank: Bitte Lauch und Sellerie auftauen. Kühlschrank an Kochtopf: Gartemperatur in einer Stunde vorbereiten. Kochtopf an Kühlschrank: Die Burgerlaibchen ausgeben. Kühlschrank an Kochtopf: Dies ist nicht in Übereinstimmung mit dem Diätplan. – Klingt nach Science Fiction, meinen Sie? Vorsicht: die digitale Vollkontrolle hat längst Einzug gehalten in die Küche: Kühlschränke, die selbst einkaufen, Herde, die autonom kochen. Im Feedback mit der Krankenkasse fließen Body-Mass-Index, etwaige koronare Erkrankungen, aber auch Allergien selbstverständlich in die Diät ein, die uns dann auf diesem einsamen Gipfel der digitalen Selbstoptimierung kredenzt wird.

Die Rettung vor dieser lebenslänglichen Fastenzeit kommt wie so oft aus Amerika: Der heutige Internationale Tag des Junkfoods feiert den Exzess: fettige Pommes mit Currywurst und Doppelburger gehören da auf den Tisch wie an anderen Feiertagen die Weihnachtsgans oder das Osterlamm. Ganz ohne schlechtes Gewissen sollen wir uns heute voll und ganz dem ungesunden Essen widmen und reinschichten, was geht. Der inoffizielle Weltrekord im Burgeressen liegt angeblich bei mehr als 100 Stück in acht Minuten – gehalten natürlich von einem Amerikaner.

Dass diese Nation nun gleichzeitig auch bei Olympia wieder abräumen wird, grenzt bei diesen Ernährungsgewohnheiten an ein Wunder, aber die Kluft wird ohnedies immer größer: zwischen arm und reich, zwischen gold paniertem Steak und Tiefkühlpizza. Was uns in dieser Welt der Extreme am meisten fehlt, sind das richtige Maß und die gesunde Unvernunft: Lebenskunst, das ist die richtige Portion Unordnung und eben auch mal alle Fünfe grade sein lassen: wenn statt der Geranien alles Mögliche in den Balkonkästen wuchert, dann freuen sich die Insekten.

In ein paar Wochen wird dann der Tag der Currywurst begangen

Wundern tut es uns nicht, dass der Tag des Junkfoods aus Amerika kommt. Den 21. Juli teilt sich der Burger dort allerdings auch noch mit der Creme Brulée, was ein diabolisches Gemisch ergibt. Begehen Sie also den heutigen als Junkfood- oder Creme Brulée – Tag, Hauptsache, es ist nicht der Kühlschrank, der bestimmt oder ein Verwaltungsbeamter, wie jener, der vor geraumer Zeit in Thailand der Taubenplage Herr werden wollte und einen mit Geldpreisen dotierten Tauben-Kochwettbewerb in seiner Stadt veranstaltete.

In ein paar Wochen wird dann der Tag der Currywurst begangen und die Engländer haben einen National Double Cheeseburger Day. Der ist am 15. September und könnte traurig werden, wenn sich die jetzigen Lockerungen auf der Insel zur Riesenwelle entwickeln.

Nichts scheint so schwierig zu sein, wie ein gesunder Mittelweg, wo etwas Unvernunft die Ratio würzt. Und nichts ist so sinnlos wie ein Ehrentag des Junkfoods. Also: in die Tonne damit.


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