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Ende der Welt - Die tägliche Glosse Biblische und moderne Plagen

Mücken über dem Ammersee, Heuschrecken auf Sardinien, Finsternis in der SPD, Fliegen an der CDU – die biblischen Plagen dominieren die Gegenwart, und die apokalyptischen Reiter sind ebenfalls unterwegs. Schon gibt es im ganzen Netz kein Feigenblatt mehr, und die Bundesregierung hat Ausschlag. Wen müssen wir ins gelobte Land ziehen lassen, um die Plagen loszuwerden? Eine Glosse von Peter Jungblut.

Von: Peter Jungblut

Stand: 13.06.2019

Sardinien wird ja gerade von Heuschrecken kahlgefressen, über der SPD verbreitet sich Finsternis, über der CDU steigen die Fliegen auf und über dem Ammersee die Mücken: Da wundert es nicht, dass die zehn biblischen Plagen gerade wieder in aller Munde sind. Ja, die Vorzeichen sind tatsächlich beängstigend: Andrea Nahles wurde vom roten Meer verschluckt, Umfragen verfärben sich grün, Angela Merkel wirkt schon seit längerem so, als habe sie einen Frosch im Hals und Hagel hatten wir ja leider auch schon.

Wenn es so weitergeht, übernehmen die Theologen den Wetterbericht und vor der Bergtour empfiehlt sich eher ein Blick in das Alte Testament als auf das Regenradar. Da müssen sie vorher aber sündenabweisende Funktionskleidung erfinden, der unkeusche Gedanken nichts anhaben können, denn handelsübliche Bergjacken sind gegen Heuschrecken machtlos und Mücken lassen sich von Radlerhosen nicht aufhalten, schon gar nicht weibliche. Die apokalyptischen Reiter satteln ja auch bereits ihre Pferde, wobei noch nicht ganz klar ist, ob Boris Johnson wirklich über den Ärmelkanal und Andreas Scheuer über den Gehsteig kommt. Kann durchaus sein, dass die Welt zwischen zwei E-Scootern untergeht, wenn sie nicht von einem Rollkoffer überfahren wird.

Und als ob das alles nicht schon furchterregend genug ist, wird sie derzeit sogar von Übeln gequält, die es in den biblischen Charts nicht auf die vorderen Plätze geschafft haben. Drohnen zum Beispiel ließen dem Pharao noch seine Ruhe, surren heutzutage aber so massenhaft übers Land, das ganze Landstriche ohne ein einziges Feigenblatt auskommen müssen. Und wer auch immer das Netz abgegrast hat, es gibt dort schon lange kein Blatt mehr, dass jemand vor den Mund nehmen könnte. Deshalb werden ja manche Foren schneller braun als die Kastanie durch die Minier-Motte.

Die Bundesregierung war schon länger nicht mehr beim Arzt

Immerhin, die Geschwüre, von denen die Bibel berichtet, haben sich bis jetzt noch nicht eingestellt, allerdings war die Bundesregierung auch schon länger nicht mehr beim Arzt, wohl aus Angst, dass er eine Neuwahl verordnet. Indizien für einen Ausschlag gibt es. Olaf Scholz und Annegret Kramp-Karrenbauer juckt die Kanzlerkandidatur inzwischen dermaßen, dass eine Früherkennung da durchaus ratsam wäre. Vermutlich bilden sie sich ihre Chancen nur ein, aber ich würde damit trotzdem mal zu einem Fachmann gehen, kann ja nicht so lange dauern, sich von Robert Habeck abtasten zu lassen. Dem stehen im Fall des Falles ja Medikamente zur Verfügung, von den sie im Alten Ägypten nur träumen konnten: Psalmen zum Beispiel, oder auch Haargel.

Trotzdem stellt sich die Frage, ob wir die grassierenden Plagen nicht ganz einfach loswerden können, der Pharao hätte damals ja auch nur Moses ziehen lassen müssen. Wer weiß, vielleicht sollen wir auch jemandem den Weg ins gelobte Land ermöglichen. Spätestens, wenn sich der Ammersee teilt, sollten wir Markus Söder nicht nacheilen. Wetten, dann geben auch die Mücken Ruhe?


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