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Ende der Welt Bewohnbarer Plastikmüll

Müll über Bord - bislang ein Schreckensruf, doch wer hätte das gedacht: es gibt Lebewesen, die freuen sich über jeden herabschwebenden Kanister und können auch noch was mit ihm anfangen. Und dennoch: nehmen Sie die gleich auf sie herabschwebenden Gedanken bitte nicht für bare Münze... Eine Glosse von Norbert Joa.

Von: Norbert Joa

Stand: 22.02.2021

Endlich mal eine gute Nachricht: Forscher haben am Grund des südchinesischen Meeres 52 000 Plastikteile pro Quadratkilometer gezählt – in 3000 Metern Tiefe! Das muss man erst mal hinkriegen … äh … bringen – und jetzt kommt's: in und auf den zigtausend Verpackungen, Tüten und Flaschen zählten Forscherinnen 49 Arten, was beachtlich ist in der Schwärze der Tiefseewüste. Da präsentierten sich im gleißenden Licht der Tauchboote - keck und stolz -  freilebende Würmer, Schnecken, Pilze, Korallen, Seepocken und und und … Auf Tetrapacks, Dosen, in Plastiktüten oder Colaflaschen, die - gottlob nicht recycelt - ihren Weg ins Meer gefunden hatten. Und sich zum Besiedeln weit besser eignen als der weiche, schwammige Tiefseeboden, so die Forscher und auch Innen. Genau - vor allem   i n   all den Plastikbehältern fanden Lebewesen Schutz und Heimat. Fazit der Studie: „Die Formenfülle und Individuendichte hat uns überrascht“.

Nun, wer an den Küsten den Kopf unter Wasser steckt, hört die Meeresbewohner förmlich rufen: mehr, mehr, mehr! Eimer zu Eigenheimen! An Land grad ein Aufregerthema. Andererseits – viele Fische und Schildkröten sind grad sehr still, weil sie sehr tot sind, wegen all dem Mikroplastik und den losen Treibnetzen. Aber von denen soll mal nicht die Rede sein. - Sondern lieber davon: was heißt das für uns?

Nicht stören – hierdrin leben Wildtiere!

Erstmal: kein soo schlechtes Gewissen mehr zu haben. Die Natur verkraftet uns schon – irgendwie und sowieso. Warum also nicht – wie einst die Vorväter – den alten Kühlschrank wieder abends an den Waldrand fahren – möge ihn dort gerne behausen, wer wolle. Und die alte Karre hundert Meter daneben abstellen und vorher noch draufsprühen: nicht stören – hierdrin leben Wildtiere!

Wie trostlos das Leben ohne sogenannten Müll ist, zeigt uns ja dieser Tage der Mars.  Eine öde Staubwüste – nichts kreucht, nichts fleucht. Und warum nicht? Entdecken Sie auf den Aufnahmen irgendwo einen Tetrapack, eine leere Flasche, Dose, einen roten OBI Eimer? Naa, dämmert Ihnen was? Wo soll das Leben auch hausen, Schutz finden vor der flirrenden Strahlung? Jetzt können wir‘s verraten: der NASA Rover soll weniger Leben finden, als es ermöglichen. Vier Karren parken schon oben, jetzt also die Fünfte – bald überzogen von Mikroben und umtobt von Marsmäusen. Ein zarter, milliardenschwerer Anfang.

Uns Normalsterblichen auf Erden bleibt hingegen nur, unseren Plastikmüll mit guten Wünschen in die Flüsse zu werfen, in der Hoffnung, dass die Meeresbewohner dies zu würdigen wissen.


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