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Ende der Welt - Die tägliche Glosse Bartträger ohne Abschluss

Die Ideen für einen besseren Schutz gegen Covid-19 kommen Schlag auf Schlag: Bartträger, so ein Hamburger Epidemiologe, seien auch hinter FFP2-Masken nicht sicher. Daher unsere Forderung: Masken auf Staatskosten, Rasierzeug aber auch! Eine Glosse von Gregor Hoppe.

Von: Gregor Hoppe

Stand: 14.01.2021

Der scheidende US-Präsident Donald J. Trump konstatierte einst, in einer aufsehenerregenden Pressekonferenz, eine nicht zu leugnende Tatsache: Das Corona-Virus sei so klein, so Trump, es bleibe fürs bloße Auge unsichtbar. Damit hatte Trump, um im Bild zu bleiben, trotz verbundenen Augen ins Schwarze getroffen und verbuchte zumindest eine zutreffende Behauptung während seiner Amtszeit für sich.

Dass der Erreger uns alle langsam zur Verzweiflung treibt, spürt man ein wenig heraus: Es überholen einander die Vorschläge für eine immer noch bessere  Abwehr. Kaum hat der bayerische Ministerpräsident Markus Söder die ab Montag beginnende FFP2-Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr und in Geschäften angekündigt, meldet sich, vom anderen Ende der Republik, Professor Johannes Knobloch, der Fachmann für Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Er gibt zu bedenken, dass besagte FFP2-Masken bei Bartträgern nicht dicht abschlössen. Diese dürften dann, streng genommen, weder Busfahren noch einkaufen. Überdies fühlten sich die Menschen unter oder hinter den FFP2-Masken fälschlicherweise besser geschützt, würden leichtsinnig und es komme zu noch mehr Ansteckungen.

Aber traf das alles nicht schon auf die herkömmliche Maske und ihren Einsatz zu? Schutz ist ja immer auch ein Stück weit Selbstbetrug, Betonung auf „ein Stück weit“. Schutz erhöht die Sicherheit, aber ausgehend vom schutzlosen Null und beendet vor allem die Gefahr nicht augenblicklich.

Auch, dass er uns Bayern, im Gegenteil, eine Rasurkur aufreden möchte, scheint unwahrscheinlich zu sein

Und zu den Bärten: Den Kritiker des Söder-Erlasses zeigt das Internetfoto als einen vorbildlich glattrasierten Mediziner – der Verdacht, er trage vielleicht selbst einen besonders imposanten Rauschebart und sei in der Sache befangen, verbietet sich also. Auch, dass er uns Bayern, im Gegenteil, eine Rasurkur aufreden möchte, scheint unwahrscheinlich zu sein: Jeder weiß, dass uns einst Herzog Ludwig der Gebartete von Bayern-Ingolstadt segensreich regierte. Und die Passionsspiele von Oberammergau kommen auch bestimmt einmal wieder!

Bevor aber nun ausgerechnet die braven Bartträger zur Zielscheibe der nächsten Verschwörungstheorie werden, schlagen wir an dieser Stelle die Ausgabe einer hinreichenden Menge an FFP2-Masken, Rasierschaum und Klingen auf Kosten des Freistaats vor. Und empfehlen darüberhinaus für die Fahrzeuge des ÖPNV das auf Mallorca schon eingeführte Schweigegebot. Damit wäre ja nicht nur der Verbreitung von Aerosolen im Fahrgastraum Einhalt geboten. Auch die pantomimisch dargebotene Ausrede des Schwarzfahrers würde jedes Kontrolleurs Geduld übersteigen, man käme also wohl ohne Strafgeld davon.


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