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Ende der Welt - Die tägliche Glosse Artensterben 2.0

Als Bürger musste man früher noch für die Umsetzung der Wahlkampfversprechen der Politiker kämpfen. Jahrelanges Demonstrieren, Sitzblockaden und Protestveranstaltungen waren den Politikern wurscht. An das Versprochene konnten sie sich nicht mehr erinnern. Und heutzutage? Da machen die auf einmal was man will. Toll! Aber irgendwie auch langweilig, oder? Eine Glosse von Helmut Schleich.

Von: Helmut Schleich

Stand: 10.05.2019

Jetzt ist es also auch der UNO aufgefallen: Das Artensterben bedroht die Tierwelt. Ungefähr acht Millionen Arten gibt es weltweit, eine Million könnte in einiger Zeit ausgestorben sein. Irgendwie logisch, wenn sich eine Art derart sprunghaft auf dem Planeten vermehrt und ihn für sich alleine beansprucht, dann müssen andere Arten halt zurück treten. Die Erde wird schließlich nicht größer…

Naturräume im unberührten Sinn gibt es ja eh kaum noch. In Europa so gut wie gar nicht mehr. Jetzt könnte man natürlich fordern, nehmt Rücksicht, passt auf auf die Natur. Das passiert ja auch. Gerade Bayern hat hier mal wieder die Nase ganz weit vorne. Während die UN ihren Artenschutzbericht noch in Form bringt, hat Dr. Markus Söder die Bienen bereits gerettet. Mit Bienen- Autobahnen. Das ist eine Bayerische Lösung: Früher war unser Land ein Agrarstaat, da hat die Biene herumfliegen können, wie es ihr in den Sinn gekommen ist. Heute ist Bayern vollständig modernisiert, da braucht auch die Biene eine Autobahn! Anpassung ist alles in der Natur.

Das war ja schon seinerzeit so, als die CSU das Altmühltal betoniert hat, für den Rhein- Main- Donau- Kanal. Das war ganz schlecht für sture Vögel, die sich nicht an die neue Landschaft gewöhnen wollten. Der Brachvogel zum Beispiel. Der ist dann verschwunden. Die Kanalratte hat sich angepasst, die ist heute noch da. Und man muss es festhalten: Die CSU hat dazu gelernt. Die hat sich auch angepasst. Früher haben sie solche Projekte brachial durchgedrückt, da war der Betonmischer der natürliche Verbündete der bayerischen Staatsregierung. Heute gibt’s eine neue CSU. Eine CSU 2.0. Mit Dienstleistungs- Ministerpräsident an der Spitze! Die macht genau, was der Wähler will.

Von denen, die echte Probleme mit Lebensmitteln haben, sind sie schon dadurch leicht zu unterscheiden, dass sie ständig drüber reden

Will der Wähler Auto fahren, dann wird das Isental betoniert, bis die letzte Biene verschwunden ist, sagt der Wähler dann, ich habe im Sommer gar keine toten Insekten mehr auf der Windschutzscheibe, klebt ihnen der Söder die zerbatzten Bienen einzeln wieder drauf. Sagt der Wähler dann, ich will mehr Wohnungen, dann betonieren wir wieder. Immer dem Wähler hinterher.

Richtig spannend wird diese Politik nach dem Dienstleister-Prinzip in Bayern aber erst, wenn der Wähler einmal sagt, jetzt wechsle ich mal den Dienstleister. Das macht er nämlich, wenn ein anderer Dienstleister attraktiver erscheint als die CSU. Woran man gut sehen kann, dass Populismus kein Phänomen rechter und linker Ränder ist, sondern mitten im Zentrum angekommen: Der Politiker als Marktschreier und der Wähler als Schnäppchenjäger. Die Zahl der Säue, die durchs Dorf getrieben werden wächst dabei beständig, bloß politische Vernunft stirbt aus.

Wieder eine Art weniger.

Eben alles eine Frage der Perspektive.


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