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Ende der Welt - Die tägliche Glosse Aber bitte mit Sahne

Was lösen Geburtstage nicht alles in den Menschen aus. Der 16.! Endlich bis Mitternacht weggehen! Der 18.! Endlich Autofahren! Aber offenbar ist auch der 40. Geburtstag eine magische Schwelle. So jedenfalls hat es Martin Zöller erlebt. Nicht bei sich, sondern bei Freundin L., die vor ihrem anstehenden Geburtstag unbedingt etwas erledigt haben musste…

Von: Martin Zöller

Stand: 15.07.2020

Irgendwann hat einmal Freund C., der ansonsten nicht der größte Philosoph unter der Sonne ist, einen wirklich guten Satz gesagt: „Man muss das Wichtige vom Dringendem unterscheiden, sonst macht man nur noch dringendes und nichts mehr wichtiges.“ Ich weiß nicht, ob C. den erfunden hat, oder Papst, Dalai Lama oder Thomas Müller. Geklaut habe ich den Satz jedenfalls schon häufiger, er macht sich gut sowohl in der Arbeit wie am Lagerfeuer. Ich werde Freund C. demnächst mal ein Bier ausgeben, sozusagen als jährliche Abschlagszahlung dafür, dass ich diesen Satz verwende.

Irgendwann hat einmal Freund C., der ansonsten nicht der größte Philosoph unter der Sonne ist, einen wirklich guten Satz gesagt: „Man muss das Wichtige vom Dringendem unterscheiden, sonst macht man nur noch dringendes und nichts mehr wichtiges.“ Ich weiß nicht, ob C. den erfunden hat, oder Papst, Dalai Lama oder Thomas Müller. Geklaut habe ich den Satz schon häufiger, er macht sich gut sowohl in der Arbeit wie am Lagerfeuer. Ich werde Freund C. demnächst mal ein Bier ausgeben, sozusagen als jährliche Abschlagszahlung dafür, dass ich diesen Satz verwende.

Im Alltag kommt mir der Satz an immer am Wochenende in den Sinn, wenn ich vor der Frage stehe, was jetzt eigentlich dringender oder wichtiger ist: Sollte ich erst Dringendes erledigen, also den tropfenden Wasserhahn reparieren oder den Rasen mähen oder sollte man sich nicht gerade am Wochenende  Zeit nehmen für Wichtiges, zum Beispiel endlich die Hochzeit, die Scheidung, den Umzug, den Auszug oder die mehrwöchtige Pilgerreise planen. Ganz besondere Menschen, ich nicht, können beides,  Wichtiges und Dringendes.  Wenn solche Menschen einen tropfenden Wasserhahn sehen, sagen die „Aha, ich brauche einen FX-8-Schlüssel und eine 45er Dichtung“ oder so, marschieren in den Keller, haben das in fünf Minuten erledigt und planen dann noch entspannt das Wichtige, Hochzeit oder Pilgerreise.

Auch meine Freundin L. ist ein Beispiel dafür, wie man - umfangen vom Alltag  - das Wichtige im Auge behält. Sie wird in den nächsten Monaten 40 Jahre alt. Mit der Erfahrung des Wochenendes muss ich dringend vor der Begegnung mit Menschen an solchen Altersschwellen warnen. Denn diese, egal ob auf den Schwellen 40, 50 oder 100 steht, erinnern offenbar nochmal an das Wichtige, das noch unbedingt zu erledigen ist.

Die Torte war aus Sahne und das Gesicht war meins

Gut, schon bevor wir am Samstag zum Grillen eingeladen war, wusste ich, dass sich Freundin L. ihren angehenden 40. Geburtstag sehr zu Herzen nimmt. Immer wieder hatte sie erzählt, dass sie alte Tagebücher wälzt und alte Wünsche dahingehend prüft, ob sie umgesetzt wurden. Was ich aber nicht ahnte: Dass sich Freundin L. einmal vorgenommen hatte, bis zu ihrem 40. Geburtstag einmal jemandem eine Sahnetorte ins Gesicht zu schmeißen. Am Samstag hat sie sich diesen Wunsch nun erfüllt, die Torte war aus Sahne und das Gesicht war meins. Arglos war ich zuvor durch den Garten unserer Freunde spaziert. Dann hatte ich meinen Namen gehört und dann flog auch schon die Torte: Klatsch!

Klebrig, fettig und, ja schon, unvergesslich für alle. Ich bin gespannt, was in den nächsten Monaten noch so passiert, Freundin L. hat erst im November ihren 40. Geburtstag. Ich werde inzwischen meine alten Tagebücher hervorkramen. Vielleicht finde ich ja auch noch etwas Wichtiges, das ich endlich mal machen sollte. Die dringende Reparatur des Wasserhahns muss nochmal warten.


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