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Ende der Welt 5G für jede Milchkanne

Mal angenommen Sie steh'n mitten in der Pampa und woll'n mit ihrem Smartphone im Internet surfen. Keine Chance! Und wissen's warum? Weil neben Ihnen eine Milchkanne steht. Eine Glosse von Helmut Schleich.

Von: Helmut Schleich

Stand: 30.11.2018

Kennen Sie die Frau Karlicek? DIE Frau Karlicek? Nicht? Dann haben Sie eine eklatante Bildungslücke! Anja Karlicek ist Bundesbildungsministerin. Gut man muss Ihnen bei all Ihrer offenbaren Bildungsferne zugestehen, wenn Sie die Frau Karlicek nicht kennen, ich habe auch nachschauen müssen. Schließlich hat sie bislang noch nicht viel von sich gegeben. Aber diese Woche hat sie einen Satz gesagt… also… grandios. „Nicht jede Milchkanne braucht 5G.“

Das ganze Land redet von Digitalisierung, die Bundesbildungsministerin lebt sie. Wenn man jetzt noch bedenkt, dass Peter Altmeier kürzlich im Fernsehen zerknirscht gebeichtet hat, er lässt sich ausländische Minister im Auto nicht mehr aufs Handy durchstellen, weil er sich für die vielen Funklöcher in Deutschland schämt, dann fragt man sich als interessierter Beobachter schon, was die Frau Karlicek und der Herr Altmeier wohl miteinander reden, zum Beispiel bei Kabinettssitzungen…

Vielleicht bastelt die Bundesbildungsministerin ja gerade an einer Karte für den Fahrer von Herrn Altmeier, auf der alle Milchkannen des Landes eingezeichnet sind, an denen zukünftig nicht mit 5G zu rechnen ist. Oder Herr Altmeier hat Frau Karlicek im Rahmen des Digitalisierungspaktes eine Liste seiner Lieblingsmilchkannen zukommen lassen, mit der Bitte um 5G -Anschluss.

Die Frau Karlicek hat im Moment natürlich Oberwasser. Weil doch die Bundesregierung 5 Milliarden für die Digitalisierung der Schulen zur Verfügung stellen wird. Diese 5 Milliarden sind bei einer Ministerin, die sich erst ein Jahr gar nicht und dann in halbvergorenen Milchkannen - Metaphern zum Thema äußert, sicher in den allerbesten Händen. Motto: „Nicht jeder 5er- Schüler braucht 5G“, oder so.

Die Frau Klöckner, die Landwirtschaftsministerin, hat übrigens auch was gesagt zur Digitalisierung. Die Frau Klöckner sagt ja viel. Letztes Wochenende hat sie sich sogar beim Waffeln backen selber getwittert.

Und so twitterte die ehemalige Weinkönigin: „Mein Anspruch ist die Vernetzung in die Cloud, auf den Teller des Verbrauchers und in das Dorfgemeinschaftshaus.“ Was will uns die Bundeslandwirtschaftsministerin damit sagen? Dass ihre politische Mission erst dann erfüllt ist, wenn wir uns dereinst Kartoffeln aus dem Internet runter laden können?

Hätte die Frau nicht einfach Weinkönigin bleiben können?

Hätte die Frau nicht einfach Weinkönigin bleiben können? Wenn dann Jens Spahn noch sagt: „Wir müssen Digitalisierungsweltmeister werden“, dann bin ich endgültig bei Jogi Löw, Mesut Özil und der deutschen Nationalmannschaft in Russland. Also voller Zuversicht.

Deutschlands älteste Disco- Betreiberin wurde jetzt übrigens 91 Jahre alt und ihr Laden läuft. Da will man den Digitalisierungsprofis in Berlin doch zurufen: „Schuster, bleib bei deinen Leisten!“

Eben alles eine Frage der Perspektive.


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