Bayern 2 - radioTexte


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Josef Hofmiller Literarische Liebeserklärung an das Wandern

Er war eine gefürchtete und bewunderte Instanz im Münchner Kulturleben zu Beginn des letzten Jahrhunderts. Doch war Josef Hofmiller nicht nur hoch geschätzter Literatur-, Musik- und Theaterkritiker, sondern auch einer der wenigen großen süddeutschen Essayisten seiner Zeit. In einem seiner letzten Essays setzt der stets heimatverbundene Autor aus dem Allgäu dem Wandern, seiner lebenslangen Leidenschaft, ein Denkmal: packende Prosaminiaturen über seine liebsten Fußmärsche durch Bayern.

Von: Kirsten Böttcher

Stand: 30.08.2018

Burg Burghausen | Bild: picture-alliance/dpa

"Im Wandern ist eine vornehme Zwecklosigkeit. Man darf nicht viel Gepäck mitschleppen, auch nicht im Geist. Am Ende wird es sogar gleichgültig, wo wir wandern. Gibt es eine reizlose Landschaft? Es gibt nur reizstumpfe Augen."

(Josef Hofmiller)

Das Wort wandern entspringt aus dem Verb winden. Aus dessen alter Bedeutung sich hin und her wenden entwickelte sich "von einem Ort zum anderen ziehen", bzw. "größere Strecken zu Fuß in der Natur begangen haben". Im ursprünglichen Sinne also sucht der Wanderer nicht die gerade Straße, sondern geht gewundene Pfade; man wandert "mit Aug und mit Gemüt", wie Josef Hofmiller es in seinem Essay "Vom Wandern" formuliert. Hofmiller, 1872 im Allgäu geboren, liebte das Wandern zeitlebens, vor allem quer durch seine bayerischen Heimat.

Bewandert war er nicht nur auf süddeutschen Pfaden, auch in der Musik und in der Literatur war er Experte. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war er gefürchtet und hoch geschätzt für seine Musik-, Literatur- und Theaterkritiken, die in den "Münchner Neuesten Nachrichten" und den "Süddeutschen Monatsheften" erschienen - Letztere gab er ab 1904 mit heraus. Hauptberuflich als Lehrer in Freising, München und später in Rosenheim tätig, schaffte er es zugleich, ein engangierter Literaturvermittler und Berater des Albert-Langen-Verlags zu sein.

Dass Josef Hofmiller einer der einflussreichsten Akteure des Münchner Kulturbetriebs war, spiegelt seine umfangreiche Korrespondenz wider: Reger Gedankenaustausch bestand zwischen ihm und Thomas Mann, Hermann Hesse, Hugo von Hofmannsthal, Elisabeth Förster-Nietzsche, Paul Heyse oder Ludwig Thoma, ebenso zwischen ihm und den Komponisten Hans Pfitzner und Max Reger. Trotz aller Umtriebigkeit hielt Hofmiller jedoch neue literarische Strömungen eher auf Distanz. Bis zu seinem Tod 1933 blieben Goethe und Nietzsche seine Götter.

"Wandern ist der Inbegriff der Unabhängigkeit"

"Die Abneigung des Münchners, nordwärts zu wandern, beginnt beim Aumeister; und umgekehrt wird für den Reisenden, der von Norden kommt, Altbayern erst sehenswürdig mit München. Nur so lässt sich verstehen, dass eien so schöne Stadt wie Freising nicht nur unseren meisten norddeutschen Gästen unbekannt bleibt, sondern auch den meisten Münchnern."

(Josef Hofmiller)

Hofmiller zeigte sich tief beeindruckt von Burghausen und seiner Umgebung.

In einem seiner letzten Essays, entstanden 1931/32, widmet Hofmiller sich ganz seiner Wanderleidenschaft. Für ihn war Wandern "der Inbegriff der Unabhängigkeit". In meisterhaften, oft poetischen Miniaturen beschreibt Josef Hofmiller bayerische Kleinode: Kirchen, Klöster und Kastelle, die ihn auf seinen Wegen beeindruckten. Und nebenbei erzählt er, warum Freising und München zusammen gehören, warum die Stadt Burghausen so "bayrisch" ist und was die Schönheit des Inntals ausmacht.

"Die Schönheit des Inntals ist abendlich, sie ist wie eine Traube im Herbst. Die der Salzachlandschaft holdselig wie das Erröten eines blühenden Apfelzweigs. Es ist ein Unterschied wie zwischen der ersten Arie der Gräfin im Figaro und Schuberts Forelle."

(Josef Hofmiller)

Bayerische Wanderbilder

Wolf Euba liest Josef Hofmillers Essay "Vom Wandern" am Dienstag, 4. September 2018 in den radioTexten.

Moderation: Antonio Pellegrino

Podcast verfügbar


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