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"Sind wir nicht Menschen" Neue Stories von Meistererzähler T.C. Boyle

Ein Restaurantbetreiber in einem mexikanischen Viertel von Los Angeles hat eines Tages die Idee: Er erfindet einen "Fünf-Pfund-Burrito", der exakt abgewogen auf die Teller der hungrigen Gäste kommt. Fast niemand schafft dieses Kaliber, aber durch dieses Essmonster aus Hühnchen, Erbsen, Bohnen, Rindfleisch, Tomaten und verschiedenen Saucen wird der Imbiss-Laden bekannt. Es läuft wie am Schnürchen. Er stellt sogar noch einen Koch ein, eine zweite Servicekraft, träumt schon von einem bequemeren Leben mit weniger Stress und Ärger mit den Gästen, bis eines Tages etwas Unglaubliches passiert...

Stand: 26.02.2020

T.C. Boyle | Bild: picture-alliance/dpa

"Sind wir nicht Menschen"

Genau diese Frage behandelt der amerikanische Meistererzähler T.C. Boyle in seinen 19 Erzählungen. Wer oder was werden wir in Zukunft sein? Wesen aus dem Labor? Wie gehen wir mit Katastrophen um? Was tun, wenn sich die Koordinaten des Menschseins verschieben? Ist alles technisch Machbare sinnvoll, wünschenswert? Was macht der technische Fortschritt mit uns? Ein bizarres, meisterhaft entwickeltes Zukunftsszenario des amerikanischen Short-Story-Schreibers T.C. Boyle. Die Frage, was bleibt von uns, von einem Leben, damit beschäftigt sich der Schriftsteller in der Geschichte von Salvador, einem Imbissbetreiber in einem mexikanischen Viertel von Los Angeles. Er erfindet den "Fünf-Pfund-Burrito", den zwar keiner seiner Gäste schafft, der ihn aber bekannt macht und den Rubel rollen lässt.

"Der Fünf-Pfund-Burrito"

"Wir durchleben unsere Zeit auf Erden in einer Anhäufung von Millisekunden, Sekunden, Minuten, Stunden, Tagen und Jahren, und das Leben ist ein Weg, dem wir alle, ausnahmslos, bis zum Ende folgen müssen. Gibt es Veränderung - oder auch nur eine Hoffnung darauf? Ja, aber Veränderungen sind strapaziös, schlecht für die Nerven und fast immer eine Wendung zum Schlechteren. So war es auch bei Sal, dem in Amerika geborenen Sohn mexikanischer Einwanderer, der sich in seinen Zwanzigern Geld von seinem Onkel James geliehen und Salvador's Café aufgemacht hatte und dessen Umsatz jetzt, beinahe vierzig Jahre später und angetrieben von seinem 'Fünf-Pfund-Burrito' durch die Decke ging wie eine Rakete."

Erschienen im Hanser Verlag in der Übersetzung von Anette Grube und Dirk Gunsteren

Über 100 Erzählungen und 16 Romane

T. C. Boyles erster Erzählband "Descent of Man" erschien 1979. Seither schreibt er wie ein Besessener. Eben erst erschien seine Shortstorysammlung "Sind wir nicht Menschen", schon stehen wieder zwei Bücher in der Warteschleife. Immer wieder überrascht er in seinen Geschichten mit ungewöhnlichen Wendungen, surrealen und aberwitzigen Szenarien. T. Coraghessan Boyle wurde 1948 in Peekskill, 60 Kilometer nördlich von New York geboren. Nach einer schwierigen Kindheit, beide Eltern waren Alkoholiker, studierte er Englisch und Geschichte. Seine erste Kurzgeschichte veröffentlichte er 1972 in der Zeitschrift "North American Revue".

Lesung mit Schauspieler Florian Lukas

Schauspieler Florian Lukas

Warum Salvadors "Fünf-Pfund-Burrito" und sein Traum von einem ruhigeren Leben nicht aufgeht, was Sal aus der Bahn wirft, erzählt der mit Preisen überhäufte Schauspieler Florian Lukas in der Geschichte "Der Fünf-Pfund-Burrito", einer Produktion von "der Hörbuchverlag". Aus Kalifornien zugeschaltet Meistererzähler T.C. Boyle.

Moderation und Redaktion: Cornelia Zetzsche

radioTexte - Das offene Buch, jeden Sonntag um 12.30 Uhr auf Bayern 2


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