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Literatur zu Europa und Indiens Wahlen Preti Tanejas Roman "Wir, die wir jung sind" (2/2)

Tanejas "König Lear" ist ein reicher indischer Großindustrieller, der sein Erbe unter den drei Töchtern aufteilen will, und der wie in dem Shakespeare-Drama die Katastrophe des Untergangs auslöst. Anlass für Preti Taneja, die Britin indischer Herkunft, im Gespräch über Patriarchen und Populisten in Europa und Indien nachzudenken. Ihr Roman "Wir, die wir jung sind" spiegelt die indische Gesellschaft heute und nimmt Shakespeares Drama "King Lear" als Modell. Ein Epos über Gier, Macht und Demagogen, gerade recht zur Europa-Wahl und Indiens Parlamentswahlen. Politisch, poetisch, provokant.

Stand: 21.05.2019

Preti Taneja, britische Autorin mit indischen Wurzeln | Bild: Louise Haywood-Schief, CH Beck Verlag

Devraj, ein indischer Oligarch, hat sich mit Maximen wie "die natürliche Ordnung der Welt erhält sich selbst – Arbeiter, die körperlich und geistig hungern, arbeiten insgesamt besser – der Geruch der Stagnation ist ein Bauch voller Essen" ein riesiges Imperium aufgebaut. Seine Macht scheint keine Grenzen zu kennen. Doch als es um die Weitergabe des Erbes an die nächste Generation geht, an seine drei Töchter, versagt die ganze Familie. Ein Imperium implodiert und versinkt aus Eitelkeit und Gier in Mord und Totschlag. Preti Tanejas Debüt-Roman ist das schonungslose Sittengemälde einer reichen Oberschicht, die Politiker kauft, Journalisten schmiert, Beamte besticht, Intrigen spinnt. Mit Geld scheint alles möglich zu sein.

Versklavung durch Machtsysteme

"Ich möchte die Geschichte einer sozialen Tragödie erzählen", sagt Preti Taneja. "Was mich am meisten ärgert, ist die strukturell bedingte Diskriminierung und die Art und Weise, wie Machtsysteme jeden vereinnahmen und versklaven. Und für mich steckt alles im Leben in diesem Stück „King Lear“. Das blickt wirklich von oben auf die Gesellschaft und zeigt, wie sich die Menschen, die am meisten besitzen, sich am wenigsten kümmern. Das Stück dreht diese Situation um und bringt Menschen, die am meisten haben, in die Lage derer, die am wenigsten besitzen, damit wir verstehen, wie das sein könnte. Für mich war das wirklich eine interessante Art, über die heutige Welt nachzudenken."

Desmond Elliott Prize 2018

"Wir waren uns sofort einig bei diesem Roman, dessen Umfang, Ehrgeiz, Können und Weisheit ganz einfach Ehrfurcht gebietend war.... wir saßen zusammen, schüttelten die Köpfe und sagten: "Wenn dies ihr erster Roman ist, welches außergewöhnliche Werk wird als nächstes kommen?"
Jury des Elliott-Preises

Für Preti Taneja, Britin mit indischen Wurzeln, war es nicht leicht, einen Verleger für ihren indischen "König Lear" zu finden. Sie hatte fast schon aufgegeben, bis sich ein englischer Verlag fand, der dann mit Tanejas Debüt 2018 mit dem "Desmond Elliott Prize" belohnt wurde. Taneja wurde in Gorßbritannien als Kind indischer Eltern geboren und verbrachte als Kind sehr oft die Ferien in Neu Delhi, dem Schauplatz ihres preisgekrönten Romans.

2-teilige Lesung und Gespräch im "Offenen Buch"

Erschienen bei CH Beck in der Übersetzung von Claudia Wenner

Preti Tanejas düsteres, sprachmächtiges und über Strecken auch satirisches Meisterwerk "Wir, die wir jung sind" gibt es an zwei Sonntagen zu hören. Es lesen Katja Bürkle, Laura Maire, Beate Himmelstoß, Götz Schulte und Jerzy May.
Redaktion und Moderation: Cornelia Zetzsche

Teil 1 am Sonntag, dem 26. Mai
Teil 2 am Sonntag, dem 2. Juni,
jeweils um 12.30 Uhr auf Bayern 2

Preti Taneja arbeitete, bevor sie sich mit dem Schreiben von Fiktion beschäftigte, als Menschenrechtsaktivistin, als Journalistin und Filmemacherin, und berichtete über den Irak, aus Jordanien, Ruanda und dem Kosovo. Ihre Arbeiten wurden in verschiedenen Zeitungen veröffentlicht, unter anderem im The Guardian, The New Statesman und auf der weltweit agieredenden Internet-Plattform openDemocracy. Sie studierte Theologie und Religionswissenschaft, promovierte in Englischer Literaturwissenschaft. Sie ist Mitbegürnderin einer Filmproduktionsgesellschaft und Herausgeberin einer Online Anthologie, in der Wort und Kunst miteinander verwoben werden werden.


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