Bayern 2 - radioTexte


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Navid Kermani Entlang den Gräben - Stimmungen aus Osteuropa

54 Tage für so viele Sprachen, Kulturen, Krisenherde: Navid Kermani reiste von Köln durch Osteuropa bis Teheran. Seine Recherchen und Eindrücke ergaben nicht nur ein überwältigendes Reisebuch. Es ist auch ein flammendes Plädoyer für die Vielfalt von Kulturen, für Europa, für die Schönheit von Geschichten. Aus "Entlang den Gräben" liest in zwei Folgen Thomas Loibl.

Stand: 12.03.2018

54 Tage für so viele Sprachen, Kulturen, Krisenherde: Navid Kermani reiste von Köln bis Krakau, von Auschwitz bis Tschernobyl, von Minsk über die Front im Donbass bis ans Schwarze Meer, von der Krim über Grosny bis Baku, durch Bergkarabach bis Teheran - um nur einige der vielen Reiseziele zu benennen. Seine Recherchen und Eindrücke ergaben ein überwältigendes Reisebuch, das für viele Westeuropäer eine Terra incognita aufschließen wird. Vor kurzem füllte der Friedenspreisträger das Münchner Residenztheater, in den radioTexten ist er an zwei Dienstagen Gesprächsgast von Antonio Pellegrino. Aus dem Buch „Entlang den Gräben“ liest Thomas Loibl.

"Entlang den Gräben" ist bei C.H.Beck erschienen.

Ein immer noch fremd anmutendes, von Kriegen und Katastrophen zerklüftetes Gebiet beginnt östlich von Deutschland und erstreckt sich über Russland bis zum Orient. Navid Kermani ist entlang den Gräben gereist, die sich gegenwärtig in Europa neu auftun: von seiner Heimatstadt Köln nach Osten bis ins Baltikum und von dort südlich über den Kaukasus bis nach Isfahan, die Heimat seiner Eltern. Mit untrüglichem Gespür für sprechende Details erzählt er in seinem Reisetagebuch von vergessenen Regionen, in denen auch heute Geschichte gemacht wird.

Eine Reise durch das östliche Europa bis nach Isfahan

Thomas Loibl liest Navid Kermani in den radioTexten.

Navid Kermani ist im Auftrag des SPIEGEL von seiner Heimatstadt Köln durch den Osten Europas bis nach Isfahan, die Heimat seiner Eltern, gereist. Die Reise führte ihn mitten durch den jüdischen "Ansiedlungsrayon" der Zarenzeit, die "Bloodlands" des Zweiten Weltkriegs, am Riss zwischen Ost und West entlang, wo der Kalte Krieg längst nicht zu Ende ist und im Donbass zum heißen Krieg wird. Er hat die Trümmer zerstörter Kulturen und die Spuren alter wie neuer Verwüstungen gesehen. Vor allem hat er Menschen getroffen, die innerlich zerrissen sind, weil sie sich auf der Suche nach Heimat und Wohlstand auf eine Seite schlagen müssen. Mit wenigen Strichen lässt er das Nachtleben der Großstädte lebendig werden, Geschäfte wie zu Sowjetzeiten, hippe Cafés, die Gelassenheit in Frontnähe und die Angst vor den anderen, wer immer das ist.

Navid Kermani, 1967 als Sohn iranischer Einwanderer in Siegen geboren, ist seit Jahren ein engagierter Vermittler zwischen der islamischen und christlichen Welt. Der habilitierte Orientalist lebt als freier Schriftsteller in Köln. Für seine Romane, Essays und Reportagen erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, u.a. den Kleist-Preis, den Joseph-Breitbach-Preis, den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels sowie den Princess Margriet Award for Culture 2017.

Am 13. und 20. März ist Navid Kermani Studiogast in den radioTexten.
Aus seinem Buch "Entlang den Gräben" (C.H.Beck) liest Thomas Loibl.
Moderation: Antonio Pellegrino

Podcast verfügbar



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