Bayern 2 - radioTexte


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Spannung in Versen Deutsche Balladen in den radioTexten

Mini-Drama in Versform, Kurzfilm im Kopf, moralisches Exempel: Balladen sind eine ganz spezielle Lektüre. Die radioTexte bringen bekannte Beispiele zu Gehör - und in unserem Online-Quiz können Sie Ihr Balladenwissen testen.

Stand: 11.09.2015

Goethe-und-Scjiller-Denkmal auf dem Theaterplatz in Weimar | Bild: picture alliance / Daniel Kalker

Es gibt Gedichtzeilen, die rufen sofort Erinnerungen wach, Erinnerungen an die Schulzeit vermutlich, in der man Balladen auswendig zu lernen hatte. Dieses sperrige und ziemlich altmodisch wirkende Genre der Lyrik kann mit vielen Wendungen aufwarten, die sich eingeprägt haben: "Ich sei, gewährt mir die Bitte, / in eurem Bunde der Dritte", "halb zog sie ihn, halb sank er hin, / und ward nicht mehr gesehn", "die ich rief, die Geister, / werd ich nun nicht los" oder Versen wie dem vom "Röhricht", das "knistert im Hauche".

Packende Geschichten, starke Figuren

Die Ballade ist Lyrik, Epik und Dramatik zugleich. Sie erzählt Geschichten in Versform, packende Geschichten mit starken Figuren zumeist - und oft auch mit einer deutlichen Moral. Der Plot prägt sich durch den unwiderstehlichen Rhythmus der Sprache ein, die Verse malen atmosphärisch dichte Bilder, in denen Tag und Nacht, die Elemente und überhaupt die Natur eine wichtige Rolle spielen.

Nicht selten wird sie zum Akteur oder zum Spiegel des seelischen Geschehens, wie eben das berühmte "Röhricht", das dem Knaben im Moor von Annette von Droste-Hülshoff so unheimlich entgegenwispert, oder die "dürren Blätter" in Goethes "Erlkönig", in denen der Wind säuselt. Balladen öffnen auf knappem Raum eine eigene Welt und werfen ein Schlaglicht auf bedeutsame Szenen, aus denen sich etwas lernen lässt. Vielleicht assoziiert man sie auch deshalb sofort mit Kreidestaub und Schule. Totzukriegen sind die bekannten Balladen dennoch nicht. Die radioTexte auf Bayern 2 bringen in der klassischen Lesung am Donnerstag einige von ihnen zu Gehör: Clemens Brentanos "Zu Bacharach am Rheine", Gottfried August Bürgers "Lenore", "Der Knabe im Moor" von Annette von Droste-Hülshoff, Goethes "Zauberlehrling", Schillers "Bürgschaft" und Fontanes "Brücke am Tay", Heinrich Heines "Belsatzar", Detlev von Liliencrons "Pidder Lüng", Conrad Ferdinand Meyers "Die Füße im Feuer".

Und wenn Sie testen möchten, wie sicher Sie in der Zuordnung von Textzeilen zu deutschen Balladen sind, legen wir Ihnen unser obenstehendes kleines Quiz ans Herz. Wahrscheinlich haben sie die allermeisten Verse darin schon einmal gehört, vielleicht wissen Sie sogar, wie es weitergeht im Text. Aber wie heißt noch mal der Dichter und wie das Gedicht? Es beginnt eher leicht, wird dann aber etwas kniffliger. Viel Vergnügen!

radioTexte am Donnerstag

"O schaurig. Deutsche Balladen"
Gelesen von Christian Brückner, Jürgen Holtz, Sandra Hüller, Alexander Khuon, Ulrich Matthes, Sebastian Rudolph, Martin Umbach und Samuel Weiss

Moderation: Judith Heitkamp

Donnerstag, den 17. September 2015 ab 21.05 Uhr auf Bayern 2


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