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"Fieber 17" Unterwegs mit Büchner-Preisträgerin Felicitas Hoppe

"Es gibt immer wieder diesen Wunsch loszufahren. Zugleich ist das Schönste am Reisen, dass man wieder nach Hause kommen kann," erzählt Felicitas Hoppe. Ihre preisgekrönten Romane wie etwa "Pigafetta", wo sie auf einem Frachter dem Weltumsegler folgt, oder in "Prawda" auf den Spuren zweier sowjetischer Geheimagenten durch Amerika reist, immer wieder ist die Schriftstellerin unterwegs in eine andere Welt, Reisen als Sprungbrett ins Phantastische. Die Büchner-Preisträgerin macht den Auftakt zum ARD-Radiofestival mit 40 Lesungen der wichtigsten deutschsprachigen GegenwartsautorInnen.

Stand: 01.08.2020

Felicias Hoppe | Bild: picture-alliance/dpa

ARD-Radiofestival zum Thema "Reisen"

ARD Radiofestival vom 18. Juli bis 12. September

Ein Lesesommer voller Entdeckungen rund ums Wegfahren, Wegträumen und Dableiben. Eine Solidaritätsaktion der ARD für deutschsprachige SchriftstellerInnen. 40 der wichtigsten deutschsprachigen GegenwartsautorenInnen gehen für die ARD exklusiv auf Reisen. Bestseller-Autoren wie Lutz Seiler, Büchner-PreisträgerInnen wie Terézia Mora, Marcel Beyer und Martin Mosebach, Joseph-Breitbach-Preisträgerin Nora Bossong und viele andere SchriftstellerInnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Für Kultur Aktuell schrieben Filmemacherin Doris Dörrie, Dichterin Ulrike Draesner, Büchner-Preisträgerin Felicitas Hoppe, Dramatikerin Kerstin Specht, Erzählerin Christine Wunnicke. Mit diesem Who is Who der zeitgenössischen deutschsprachigen Literaturszene bietet die ARD Reisen im Kopf und unterstützt zugleich AutorInnen, die besonders betroffen sind von Corona und den Folgen, nachdem Lesungen, Festivals und Messen abgesagt wurden und werden. Ein ambitioniertes Gemeinschaftsprojekt des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks.

Felicitas Hoppe "Prosa ist Bewegung"

"Schreiben ist ein Unterwegssein", erzählt Felicitas Hoppe im Gespräch mit Cornelia Zetzsche. "Und wenn ich nicht auf Reisen ginge, in einer motorischen Bewegung wäre, glaube ich, könnte ich nicht schreiben. Also, ich brauche das reale Aufbrechen, das Zugfahren, das Weggehen, das Hinausgehen, um einen Modus der Bewegung herzustellen, der mich dann auch später am stillen Schreibtisch begleitet. Auch wenn mir Reisen oft schwerfällt, kann ich mir ein Schreiben ohne unterwegs zu sein, überhaupt nicht vorstellen. Ich bin der absolute Prosa-Typ und Prosa ist Bewegung."

"Fieber 17

Gestern endlich die erlösende Nachricht aus dem Labor: Ich bin nicht bloß müde, ich bin tatsächlich krank. Und plötzlich erklärt sich alles von selbst: der Schwindel am Morgen, das klopfende Herz, die Schweißausbrüche, der rasende Puls und der schwankende Blutdruck, der Durst und meine Appetitlosigkeit; und diese ständige Flucht in den Nachmittagsschlaf, in lauter Träume mit niedrigen Stubendecken, von Pferden, die mit den Hufen scharren und von Kutschern, die in schweißnasse Pelze gewickelt in meinem Halbschlaf laut mit der Peitsche knallen, um mich endlich wieder auf Trab zu bringen.
Aber jetzt bin ich erlöst, denn mein Fall ist glasklar, die Diagnose lautet: Fieber 17. Ein Fieber, das nachweislich mir ganz allein gehört, weil es nur meine höchst persönlichen Träume bewohnt."

Felicitas Hoppe

Büchner-Preisträgerin Felicitas Hoppe

Felicitas Hoppe wurde am 22. Dezember 1960 geboren. Ab 1980 studierte sie Literaturwissenschaften, Rhetorik, Religionswissenschaften, Italienisch und Russisch an Universitäten in Hildesheim, Tübingen, Eugene/Oregon (USA) sowie in Berlin und Rom. Seit 1996 lebt sie in Berlin als freie Schriftstellerin. Zuvor hatte sie als Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache u.a. für das Goethe-Institut gearbeitet; sie schrieb für verschiedene Feuilletons. 
1996 erschien ihr Debüt, der Kurzgeschichtenband Picknick der Friseure. Vorab gewann sie mit einer Geschichte beim Bachmann-Preis in Klagenfurt den Ernst-Willner-Preis. 1999, nach einer Weltreise auf einem Frachtschiff, folgte der Roman Pigafetta. Bis heute hat sie fünf Romane, Essays und mehrere Erzählbände vorgelegt, außerdem einige Veröffentlichungen zusammen mit Künstlern der Berliner Handpresse. Anfang 2012 erschien die Autofiktion Hoppe, in der sie sich eine Kindheit in Kanada andichtet und eine Dirigentenlaufbahn. In ihrem letzten Roman "Prawda" folgte Felicitas Hoppe den Spuren zweier russischer Journalisten, die in den 1930er Jahren im Auftrag des KGB die USA durchquerten. Ihre Bücher werden inzwischen im S. Fischer Verlag publiziert und sind u.a. ins Niederländische, Französische, Russische und Schwedische übersetzt worden. 

Über das Schreiben

"Es ist eine warme und geschützte Tätigkeit. Selbst bei schlechter Witterung gelingt hin und wieder ein lesbarer Satz", meint die jüngst mit dem "Großen Preis des Deutschen Literaturfonds" ausgezeichnete Schriftstellerin ironisch: Felicitas Hoppe hat "ein im besten Sinne breit gefächertes Werk vorgelegt: erzählerisch reizvolle Erkundungen zu Fragen der Identität ebenso wie lebendige Geschichten für Kinder oder auch eine Reihe aufschlussreicher Poetik-Vorlesungen", heißt es in der Jury-Begründung.

Was es mit "Fieber 17" auf sich hat, erzählt Felicitas Hoppe in einer exklusiv geschriebenen Geschichte am Sonntag, dem 2. August auf Bayern 2 in radioTexte - Das offene Buch jeden Sonntag um 12.30 Uhr auf Bayern 2.


Redaktion und Moderation: Cornelia Zetzsche

Die Sendung gibt es als kostenlosen Podcast unter bayern2.de/lesungen


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