Bayern 2 - Notizbuch


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Küken-Töten verhindern Hat das Zweinutzungs-Huhn eine Zukunft?

Der Druck, das massenhafte Küken-Töten zu stoppen, wächst. Das Konzept "Zwei-Nutzung" könnte deshalb künftig eine größere Rolle spielen. Doch es gibt Hürden. Würden zum Beispiel alle männlichen Küken in Deutschland großgezogen, müssten die Verbraucher auch die weniger fleischigen Hähnchen akzeptieren.

Von: Jutta Schilcher, Landwirtschaft und Umwelt

Stand: 05.10.2017

Küken: Die Henne legt Eier, die Gockel werden gemästet - hat das Zweinutzungs-Huhn eine Zukunft | Bild: picture-alliance/dpa

In der Geflügelzucht gibt es zwei Richtungen. Entweder es sind Hühner, die viel Fleisch in kurzer Zeit ansetzen, um pralle Hähnchenbrüste zu liefern. Oder es geht um die Eierlegeleistung. In beiden Fällen sind männliche Küken unnütz und werden getötet. Selbst im Biogeflügelsektor werden in der Regel die gleichen Hybridhennen gehalten wie im konventionellen Bereich. Sie sind ebenfalls Hochleistungstiere. Nur werden sie nach Biorichtlinien gehalten. In der Brüterei werden die männlichen Küken ebenfalls aussortiert.

Das Töten der Küken schockiert die Verbraucher

Eigentlich sind die getöteten männlichen Küken sogar begehrt. Sie finden reißenden Absatz - etwa bei Zooläden und Tierparks oder Aufzuchtstationen von Greifvögeln. Würden alle männlichen Küken aufgezogen, müssten extra Mäuse gemästet oder gar 'Futter-Küken' gehalten werden, um die Lücke zu schließen. Doch das Töten der Küken schockiert die Verbraucher. Seit längerem gibt es in Deutschland deshalb Projekte wie "Bruder-Hahn", "Bio-Eier mit doppeltem Lebenswert", "HennenGockelEi" oder "Bruderherz", bei denen die Hähne auch aufgezogen und in irgendeiner Form vermarktet werden. Bei diesen Projekten werden in der Regel Hühner eingesetzt, die aus alten Rassen stammen. Doch die legen wenige Eier.

Anders verhält es sich mit den Rewe-Freilandeiern der Marke "Spitz & Bube", für die bei den Legehennen auf das Kürzen der Schnäbel verzichtet wird und auch die männlichen Tiere großgezogen werden. Was viele nicht wissen: diese Eier stammen von Hochleistungs-Hybridhennen der Zuchtlinie "Lohmann Sandy".

"Sandy" - ein Superhuhn?

Die weiße "Sandy" ist ebenfalls auf hohe Legeleistung getrimmt, ihre Brüder werden aber aufgezogen und nach neun bis zehn Wochen geschlachtet. Sie landen in der Wurst. Doch die Bio-Geflügelbranche ist bei "Sandy" gespalten.

"So eine kurze Mastdauer ist für mich einfach fraglich. Freilich, der Hahn hat neun Wochen leben dürfen oder zehn. Aber ist das dann sinnvoll, wenn man keine wirklich nachhaltigen Produkte erzeugt? Das ist für mich die große Frage."

Peter Schubert, Bio-Landwirt aus Mittelfranken

Definieren, was "Zweinutzung" ist

Peter Schubert hält Hennen und Gockel, die von alten Rassen abstammen. Seine Hähne dürfen deutlich älter werden als die "Sandy"-Hähne, auch wenn längere Aufzucht mehr Futter bedeutet und somit höhere Kosten. Schuberts Hühner pflanzen sich auch auf dem Hof fort und unterscheiden sich auch darin vom Hochleistungs-Huhn "Sandy", das von einer der weltweit größten Zuchtfirmen stammt.

"Ich glaube, das Thema Zweinutzung ist ganz wichtig. Auch muss man mal definieren, was Zweinutzung ist. Für mich ist die Definition von Zweinutzung, dass der wirtschaftliche Vorteil, der wirtschaftliche Ertrag gleichermaßen auf Henne und Hahn verteilt ist."

Peter Schubert


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