Bayern 2 - Notizbuch


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Flache Hierarchien zahlen sich aus Wieviel Chef soll's sein?

Besonders in kleinen Firmen haben die Mitarbeiter gewöhnlich ein besonders enges Verhältnis zu ihren Chefs. Für den Arbeitsalltag kann das vorteilhaft sein. Entscheidungen werden oft schneller getroffen. Und die Leistungen der Beschäftigten kommen besser zur Geltung.

Von: Walter Kittel

Stand: 13.05.2019

Geschäftliches Treffen im Büro | Bild: picture-alliance/dpa

Teamgeist in Gemeinschaftsbüros

Das kleine Münchner Software-Unternehmen “leadtributor GmbH" hat nur 14 Mitarbeiter. Schon deshalb arbeiten die beiden Geschäftsführer täglich eng mit ihren Beschäftigten zusammen. Auch räumlich zeigt sich der Teamgeist: so haben die Chefs keine eigenen Büros, in denen sie zurückgezogen ihre Entscheidungen treffen. Sondern sie sitzen wie alle anderen in gemeinsamen Räumen an ihren Computern. Dadurch sind die Kommunikationswege kurz und schnell.

Gemeinsam mit dem Chef Entscheidungen treffen: in kleinen Firmen oft Büroalltag

Wenn plötzlich Frage und Probleme auftauchen, können die Vorgesetzten sofort reagieren. Umgekehrt bekommen auch die Beschäftigten viel mehr mit von ihren Chefs, werden häufiger einbezogen und haben die Chance, eigene Ideen einzubringen.

Mitarbeiter können sich besser einbringen

In Unternehmen mit flachen Hierarchien gehört Teamgeist zum Alltag. Alle arbeiten unmittelbar für ein gemeinsames Ziel. Viele Mitarbeiter fühlen sich von solchen Möglichkeiten angesprochen und bewerben sich deshalb gezielt.

"Die Mitarbeiter haben das Gefühl, in diesem Unternehmen kann ich gestalten, bin Teil des Teams, bin nicht einer von tausenden. Sondern kann tatsächlich aktiv Veränderungen im Unternehmen gestalten."

Philipp Brügge, Geschäftsführer leadtributor GmbH

Mehr Entwicklungsmöglichkeiten für Beschäftigte

Daniel Schwab war zunächst für ein größeres Unternehmen tätig. An der jungen Softwarefirma gefiel ihm die überschaubare Größe und die damit besseren Möglichkeiten mitzugestalten. Neue Ideen würden dankbar aufgenommen. Der Umgang mit den Vorgesetzten war zudem von Anfang an unkompliziert. Bereits während des Vorstellungsgesprächs ging man zum Du über. Schwab erlebt die Nähe zu den Vorgesetzten als durchweg positiv. Dass sie ihm mehr oder weniger dauernd über die Schulter blicken können, stört ihn nicht.

"Momentan ist es vollumfänglich spannend mitzugestalten und in einer Phase dabei zu sein, wo man wächst und neue Ideen dankend aufgenommen werden. Es ist einfach nur 100% positiv."

Daniel Schwab, Mitarbeiter leadtributor GmbH

Kollegialität ist entscheidend

Flache Hierarchien bieten Beschäftigten Chancen. Aber sie sind oft auch stärker gefordert. Zeit für Pivatangelegenheiten, neben der Arbeit, gibt es meistens nicht. Denn alle sind stark aufeinander angewiesen. In solchen Unternehmen habe ein autoritärer Führungsstil nichts verloren, erklärt Geschäftsführer Philipp Brügge. Wichtig sei ein kollegiales Miteinander, um gute Voraussetzungen zu schaffen für Leute, die Verantwortung übernehmen wollen und auch danach fragen.

Größere Unternehmen brauchen mehr Hierarchieebenen

Das kleine Software-Unternehmen leadtributor GmbH wird weiter wachsen. Damit verschwindet wohl auch die flache Hierarchie mehr und mehr. Entscheidungsprozesse könnten künftig viel komplexer werden und neue Hierarchieebenen eine Rolle spielen. Der Alltag auf Augenhöhe mit den Mitarbeitern ist ein Privileg. Diese Erfahrung wollen die Geschäftsführer aber auf jeden Fall mit in die Zukunft nehmen.


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