Bayern 2 - Notizbuch


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Symbiose Win-win-Situationen in der Natur

Schmetterling und Ameise, Pilz und Alge, Clownfisch und Anemone - es gibt die unterschiedlichsten Formen von Symbiosen. Sie alle haben gemeinsam, dass beide Partner von der Gemeinschaft profitieren.

Stand: 26.01.2015

In der Natur funktioniert häufig, was Wirtschaftsunternehmen bei Zusammenschlüssen anstreben, aber am Ende nicht erzielen: die Symbiose, bei der beide Partner als Gewinner vom Platz gehen. Denn die Symbiose ist eine wechselseitige Partnerschaft zweier artverschiedener Organismen, die von ihrem Zusammenleben profitieren, manche Lebensgemeinschaften sind sogar lebensnotwendig für die Partner.

Beispiel: Ameise und Bläuling

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Maculinea - bedrohte Schmetterlinge | Bild: UFZde (via YouTube)

Maculinea - bedrohte Schmetterlinge

Quelle: Film des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ)

Wechselseitige Abhängigkeit

Durch die Symbiose können sich die einen ernähren, die anderen werden geschützt. Bei den Symbiosen zwischen Tieren, wie etwa in der Tiefsee, spielen häufig Farben und Verhalten eine wichtige Rolle. Ähnlich auch bei der Bestäubung von Pflanzen durch Insekten. Bei der Symbiose von Pflanzen und Bakterien kann der eine ohne den anderen überhaupt nicht sein.

Aus Stickstoff mach Dünger

Wurzel der Lupine

Sojabohnen, Lupinen, Wicken, Erbsen, Bohnen, Klee oder Erdnüsse – sie alle zählen zu den Hülsenfrüchten, auch Leguminosen genannt. Sie alle gehen mit stickstoffbindenden Bakterien eine Symbiose ein. Diese Bakterien bündeln sich an den Wurzeln und bilden Wurzelknöllchen. Darin binden die Bakterien große Mengen an Luftstickstoff, den sie als Ammoniak an die Pflanzen abgeben. Die Pflanzen bauen daraus wiederum Proteine auf. Durch diese Fähigkeit sind die Leguminosen unabhängig vom Nitratgehalt des Bodens und können auch in extrem stickstoffarmen Böden wachsen. Deshalb sind Hülsenfrüchte auch als Düngerlieferanten für den Gartenboden geeignet.

Schützende Verbindung

Petrischale, in der sich ein Nährboden mit harmlosen Darmbakterien befindet | Bild: Sascha Schuermann/dapd zum Thema Bakterien Mysteriöse Untermieter des Menschen

Es wimmelt! Aber nicht nur auf Türklinken, Toilettensitzen oder Spülschwämmen - auch in uns drin siedeln Billionen von Kleinstlebewesen: Bakterien. Vor allem im Darm sind sie aktiv - und ganz schön nützlich! [mehr]

Auch der Mensch geht mit unzähligen Bakterien eine schützende Verbindung ein. Egal, ob in feinsten Rissen unserer Haut, im sauerstoffarmen Milieu unseres Darms oder in unserem Mund: Bakterien befinden sich überall auf und in unserem Körper. Diese "friedlichen" Bakterien, die nicht zu verwechseln sind mit klassischen Bakterien wie Pest oder Cholera, bieten uns vielfachen Schutz vor Krankheiten. So schützen uns die Bakterien unserer Schleimhäute gegen Infektionskrankheiten oder die Colibakterien bei der Verdauung.

Man geht davon aus, dass rund 100 Billionen Bakterien unsere ständigen Begleiter sind und zwei Kilogramm unseres Körpergewichts machen wohl die Bakterien aus. Dabei ist es bis heute erst gelungen, fünf Prozent all dieser Bakterien genauer zu bestimmen.

Anpassung und Spezialisierung

Ein unschlagbares Team: Die mexikanische Akazie ist die Wirtspflanze für bestimmte Ameisen.

Verbündet man sich in einer Symbiose, so hält man am besten Fressfeinde und Konkurrenten ab. Zu dieser Erkenntnis kamen Forscher der Universität Duisburg-Essen. Sie untersuchten die Symbiose bestimmter Ameisen und Akazien in Mexiko. Dabei fanden sie heraus, dass die Symbiose umso stabiler ist, je mehr der Wirt investiert und sein Partner sich auf ihn spezialisiert. So leben die symbiotischen Ameisen ausschließlich von den Akazien. Selbst ihr Verdauungstrakt ist auf deren Nahrung eingerichtet. Andere parasitische Ameisen sind dagegen nicht spezialisiert und befallen die Bäume deshalb umso weniger. Produziert die Wirtspflanze nun viel, kann sich auch die angepasste Ameise besser vermehren und gegen Konkurrenten durchsetzen. Dies führt wiederum dazu, dass die Akazie besser gegen parasitische Ameisen geschützt ist.

Die Forscher gehen davon aus, dass die Anpassung und Spezialisierung der Partner auch bei anderen Symbiosen ein wichtiger Faktor für den gemeinsamen Erfolg ist.


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