Bayern 2 - Notizbuch


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Seifenkraut und Waschnusspulver Waschen, reinigen, putzen - mit Pflanzen

Herbst ist Kastanienzeit. Manch einer bohrt mühsam Löcher in die braunen Früchte und bastelt aus den Dingern Manschgerl. Kastanien können aber schon sinnvoller genutzt werden. Zum Waschen von Feinem und Empfindlichem zum Beispiel - und das auch noch ökologisch.

Von: Landwirtschaft und Umwelt

Stand: 28.09.2018

Rosskastanien liegen am Boden | Bild: picture-alliance/dpa

Was für Clementine die Tenside, sind für ökologisch korrekte Menschen Saponine. Saponine sind waschaktive Substanzen, die die Oberflächenspannung des Wassers verringern. Dadurch kann das Waschgut erst so richtig gut durchdrungen und die Schmutzpartikel ausgewaschen werden.

Ökologisch statt synthetisch

Bis Indische Waschnüsse in einer bayerischen Waschmaschine landen, haben sie schon mehrere tausend Transportkilometer auf dem Schalenbuckel.

Besonders viel Saponin steckt in der indischen Waschnuss. Die Schalen dieser Nüsse erlebten vor etwa zehn Jahren einen regelrechten Boom als Biowaschmittel. Die Rosskastanie ist eine lokale Alternative zur weitgereisten indischen Nuss. Die Rosskastanie gehört zu den Seifenbaumgewächsen, den sogenannten Sapindaceen. Sie enthalten Saponine, die sich besonders gut dafür eignen, zarte Gewebe damit zu waschen.

Für einen Jahresvorrat - ausgelegt für ein bis zwei Waschmaschinen-Ladungen pro Woche - reichen etwa fünf bis sechs Kilogramm Rosskastanien. Pro Waschgang braucht es etwa zehn Kastanien. Um an die Saponine zu gelangen, müssen die Kastanien aber erst einmal zerkleinert werden. Entweder mit viel Muskelschmalz mit dem Messer, leichter geht es mit einem leistungsstarken Zerkleinerer. Je kleiner und feiner die Kastanien zerhackt werden, desto wirkungsvoller die Waschleistung.

Sanft zu Wollpullis

Unser Tipp: Kastanienwaschmittel eignet sich besonders gut für Wollwäsche.

Für einen Waschgang 60 Gramm Rosskastaniengranulat mit einem Liter kaltem Wasser aufgießen und mindestens ein, zwei Stunden ziehen lassen. Bei wenig verschmutzter Wäsche und kalkarmem Wasser reichen 40 Gramm Granulat. Danach das Granulat absieben. Zum Ansetzen des Flüssigwaschmittels eignet sich zum Beispiel eine französische Kaffeekanne. Mit ihr lässt sich das Granulat einfach nach unten drücken und zurückhalten. Das Granulat ist so ergiebig, dass daraus bis zu fünfmal ein Sud angesetzt werden kann. Die grünmilchige Lösung wird zum Wäschewaschen einfach ins Waschmittelfach der Maschine gegeben.

Das Kastaniengranulat kann aber auch in einem Stoffsäckchen aus Leinen oder Organza oder in einem zugeknoteten Nylonstrumpf direkt in die Waschmaschine gegeben werden. Die Säckchen müssen aber wirklich stabil und gut geschlossen sein, damit es kein Malheur gibt und sich die Kastanienbrösel nicht überall in der Waschmaschine verteilen.

Deswegen heißt das Seifenkraut auch so

Anstelle von Rosskastanien lassen sich auch die Wurzeln des Seifenkrauts, botanisch Saponaria, verwenden. Die nachtduftende Staude mit den blassrosa Blüten enthält nämlich, wie ihr Name schon sagt, ebenfalls Saponine. Sie sind ein so gutes Feinwaschmittel, dass selbst vorsichtige Restauratoren Polster und historische Stoffe damit waschen.

Nachteile von Wasch- und Reinigungslösungen der Marke Eigenbau

Shampoo Marke Eigenbau

Von der Waschkraft moderner Mittel sind Seifenkraut, Kastanie und Co. jedoch weit entfernt. Ein weiterer Nachteil von Waschlösungen Marke Eigenbau: Sie können innerhalb kurzer Zeit verderben, weshalb sie sich nicht auf Vorrat produzieren lassen. Dafür eigenen sich Kastanie und Co. aber nicht nur für die Wäsche, sondern auch fürs Geschirr oder für die Haare.

Schrubben und scheuern

Während die reinigende Wirkung von Kastanie und Seifenkraut auf chemischen Prozessen beruht, säubern andere Pflanzen rein mechanisch. Beispiel die Luffagurke. Die Luffagurke ist ein Schwammkürbis. Das getrocknete, schwammartige Innere der reifen Frucht eignet sich zum Beispiel für Massagen und Peelings.

Aber auch in der Küche sind die bis zu sechzig Zentimeter langen Kürbisse eine umweltfreundliche Alternative zum Kunststoffschwamm. Unser Tipp: Immer nur ein Stückchen abschneiden. Sobald der "Schwamm" unansehnlich wird und müffelt - ab damit auf den Kompost.

Wo weder Luffa noch Plastikschwamm zur Hand sind, lassen sich verschmutzte Töpfe und Pfannen zur Not auch mit Ackerschachtelhalm reinigen. Er enthält Siliziumkristalle. Ackerschachtelhalm kannten schon die Alten. Früher nahm man ihn gerne zum Zinn putzen. Aber auch die Pfanne wird damit sauber. Aber Vorsicht: Die rauen Schachtelhalmstängel scheuern erstaunlich gut und hinterlassen auf Edelstahltöpfen mikrofeine Kratzer. Unser Tipp: Nur fürs Topfinnere verwenden.

Noch ein paar Tipps zum Schluss

Wenn etwas übrigbleibt
Wenn vom Flüssigwaschmittel aus Rosskastaniengranulat etwas übrigbleibt, kann es im Kühlschrank noch ein paar Tage aufgehoben werden. Man kann es auch als Handspülmittel nutzen oder zum Bodenputzen, bei Kalkflecken eventuell auch mit einem Spritzer Essig. Zu guter Letzt schließt sich der Kreislauf und die Kastanien-Reste landen auf dem Kompost.

Auf Vorrat schreddern
Wer mag, kann die Kastanien schon auf Vorrat zerkleinern. Damit die Masse dann aber nicht zu schimmeln beginnt, muss sie getrocknet werden. Die zerkleinerten Kastanien werden dazu auf Backblechen ausgelegt und in der Sonne oder neben der Heizung getrocknet. Zur Not kann man sie auch im Backofen bei niedriger Temperatur trocknen. Getrocknet lässt sich das Kastaniengranulat prima aufbewahren.


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