Bayern 2 - Notizbuch


8

Erben mit "warmer Hand" Drum prüfe, wer sein Haus verschenkt!

Wer etwas vererben will, überlegt sich, ob er vielleicht schon vorher Haus oder Grundstück auf die Erben überträgt. Erben "mit warmer Hand" heißt das, und es kann Steuern sparen. Aber Vorsicht: Wer zuviel auf einmal abgibt, kann sich und seine Nachkommen in finanzielle Schwierigkeiten bringen.

Von: Wolfram Schrag (mit Informationen des Deutschen Forums für Erbrecht e.V.)

Stand: 04.11.2016

Erben mit warmer Hand: Ein Füller liegt auf einem Blatt Papier mit Siegel, auf dem eine Hand, die ein Haus hält, gezeichnet ist | Bild: colourbox.com; Montage: BR

Schenkung auf den Todesfall - so heißt das, wenn Eltern ihr Haus oder ihre Wohnung zum Beispiel den eigenen Kindern überschreiben. Wer so etwas plant, muss das gut überlegen: Wie hoch ist später mal die Rente? Und was würde eine eventuelle Pflege kosten? Kann man sich das noch leisten, wenn man jetzt wesentliche Teile des Vermögens verschenkt? Wer pflegebedürftig ist, zahlt schnell drei- bis fünftausend Euro im Monat - das ist meistens nur zu finanzieren, wenn man Immobilienbesitz miteinkalkuliert.

Verarmungsrisiko bei Schenkungen

Ein Hintertürchen hat der Gesetzgeber gelassen - innerhalb von zehn Jahren kann man die Schenkung notfalls rückgängig machen:

"Derjenige, der verarmt, kann ein Geschenk zurückfordern mit dem Argument, dass er selbst kein Geld mehr hat. Wenn dieser Fall eintritt, die Frist von zehn Jahren noch nicht vorbei ist und man auch die Immobilie selber weiter bewohnt, wird der Beschenkte das Haus zurückgewähren müssen."

Rechtsanwalt Martin Lang, München

Das führt zu unnötigen Kosten: Für eine Übertragung einer Immobilie im Wert zwischen 600.000 und einer Million Euro verlangt der Notar rund 2.000 Euro, etwa 1.000 Euro kostet die Eintragung ins Grundbuch. Und diese Kosten fallen bei der Rückübertragung noch einmal an.

Die Mär von der Steuerersparnis

Ungeeignet zum Steuernsparen: Dieses Haus hat mehr als 200 Quadratmeter.

Viele Kinder drängen ihre Eltern dazu, eine Immobilie mit "warmer Hand" zu übertragen, um Erbschaftsteuer zu sparen. Kinder haben einen Freibetrag von 400.000 Euro. Wenn die Kinder das Familienheim der Eltern von Todes wegen, also als Erben oder Vermächtnisnehmer, erhalten, bleibt dieser Erwerb unter bestimmten Voraussetzungen steuerfrei, auch wenn er den Freibetrag übersteigt. Dazu müssen die Erben unverzüglich nach dem Erbfall in die Immobilie einziehen und diese darf nicht größer als 200 qm sein. Für das typische deutsche Reihenhaus ist diese Größenordnung zwar ausreichend, aber diese Rahmenbedingungen sind eben für die Steuerersparnis verpflichtend - oft genug lassen sie sich in der Praxis nicht einhalten: Die Kinder wohnen nicht in der Nähe der Eltern oder es handelt sich um ein Ferienhaus, das sowieso nur zeitweise bewohnt wird.

Nießbrauch kann zu Streit führen

Geht nicht immer glatt: Wenn eine große Familie ein Haus teilt.

Bei der Schenkung zu Lebzeiten lassen die Eltern außerdem gerne einen "Nießbrauch" ins Grundbuch eintragen - also das lebenslange Recht, im Haus wohnen bleiben zu dürfen. Das kann zu Streit führen: Wer bezahlt die teure Reparatur des Daches, wenn die Eltern Bewohner und die Kinder Eigentümer sind? Auch hier sollten Eltern und Kinder genau regeln, wie in so einem Fall zu verfahren ist. Der Erblasser sollte zudem auflisten, wann die Immobilie zurückfallen soll: zum Beispiel im Falle eines Insolvenzverfahrens oder eines Scheidungskrieges des Kindes:

"Es gibt Schicksalsschläge im Leben, wo man nicht möchte, dass beispielsweise die Gläubiger des Sohnes nun die sauer verdiente Immobilie versteigern lassen."

Rechtsanwalt Martin Lang

Was ist, wenn das Kind vor den Eltern stirbt?

Außerdem gibt es noch Schicksalsschläge, die Erblasser und Erben gerne ausblenden: zum Beispiel, dass der Erbe vor dem Erblasser stirbt. Für so einen Fall sollte man im Notarvertrag vereinbaren, dass die Eltern das Recht haben, die Immobilie zurückzufordern. Sonst müsste der Erblasser akzeptieren, dass Schwiegersohn oder -tochter Besitzer des Hauses wird.

Fazit:

Die Schenkung zu Lebzeiten ist ein Instrument, das nur bei sehr begüterten Erblassern sinnvoll ist. Alle anderen sollten gut überlegen, ob sie Besitztümer aus der Hand geben, auf die sie vielleicht nochmal angewiesen sein könnten.


8