Bayern 2 - Notizbuch


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Hinterbliebenenrente Eigene Rente und Einkommen wird angerechnet

Wer als Witwe oder Witwer eine Hinterbliebenenrente bezieht, muss sich eigenes Einkommen, aber auch die eigene Rente zum Teil darauf anrechnen lassen. Allerdings gibt es Freibeträge, und die verschiedenen Einkommensarten schlagen in unterschiedlichem Ausmaß bei der Anrechnung zu Buche. Bei Waisenrenten wird seit 2015 nicht mehr angerechnet.

Von: Klaus Boffo

Stand: 14.12.2016

Eine alte Dame sitzt in einem Seniorenheim und hat Geldscheine in den Händen | Bild: picture-alliance/dpa

Abgeleitet, nicht selbst erworben

Hinterbliebenenrenten sind aus dem Rentenanspruch des Verstorbenen abgeleitet; die Witwe oder der Witwer haben sie nicht durch eigene Beitragszahlung erworben. Daraus erklärt sich, dass die Hinterbliebenenrente für denjenigen, der über anderes Einkommen verfügt, in gewissem Umfang gekürzt wird.

Bis 804 Euro passiert gar nichts

Der Hinzuverdienst von Hinterbliebenen wird angerechnet, wenn er den geltenden Freibetrag übersteigt

Soweit eigenes Einkommen den geltenden Freibetrag nicht übersteigt, wird es nicht angerechnet. Der Freibetrag liegt derzeit bei 804 Euro monatlich, er erhöht sich jedes Jahr ein bisschen. Wichtig: es handelt sich hier um einen „Netto“-Freibetrag, der Bruttowert kann also ein ganzes Stück höher liegen. Um den Nettowert zu errechnen, nimmt die Rentenversicherung von den Brutto-Einkünften bestimmte pauschale Abschläge vor, die je nach Einkommensart unterschiedlich hoch sind. Bezieht der Betreffende zum Beispiel eine eigene Versichertenrente, so werden davon 13 bis 14 % abgezogen, verfügt er über Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung, gilt ein Abschlag von 25 %. Die Liste der unterschiedlichen Einkommensarten und der für sie geltenden Abschläge ist äußerst umfangreich – eine persönliche Beratung verschafft Klarheit.

Über dem Freibetrag: Anrechnung zu 40 %

Übersteigt das so errechnete „fiktive Netto“ den Freibetrag von 804 Euro, so wird der übersteigende Betrag zu 40 % auf die Hinterbliebenenrente angerechnet. Ein fiktives Netto von 1000 Euro im Monat führt so zu einer Verminderung der Hinterbliebenenrente um 78,40 Euro  (= 40 % von 196 Euro). In den ersten drei Monaten nach dem Versterben des Ehegatten bleibt die Hinterbliebenenrente anrechnungsfrei.

Gilt altes oder neues Rentenrecht?

Zusätzlich kompliziert wird die Sache, weil es beim Hinzuverdienst für Hinterbliebene ein altes und ein neues Rentenrecht gibt.

"Im Januar 2002 gab es eine große Reform, und wenn jemand vor Januar 2002 geheiratet hat oder einer der Ehepartner vor dem 2.1.1962 geboren ist, gilt die alte, bessere Regelung. Ist man aber in der neuen Regelung, so werden wesentlich mehr Einkommensarten herangezogen."

Sandra Wissen, Deutsche Rentenversicherung Bayern Süd

Nach dem neuen Rentenrecht wirken beispielsweise Betriebsrenten, Bezüge aus einer Lebensversicherung oder Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung zu einem Teil mindernd auf die Hinterbliebenenrente. Nicht angerechnet werden Einkünfte aus der Pflege eigener Angehöriger, das Arbeitslosengeld II oder eine Riester-Rente.


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