Bayern 2 - Notizbuch


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Sauber bleiben Putzhilfen zu legalisieren lohnt sich

Die meisten Putzhilfen in deutschen Haushalten werden schwarz beschäftigt. Dabei kann es billiger sein, "sauber" zu bleiben und die "Perle" bei der Minijobzentrale anzumelden. Das geht sogar online.

Von: Johannes von Creytz

Stand: 20.07.2016

Putzfrau | Bild: picture-alliance/dpa

95 Prozent der privaten Putzhilfen in Deutschland werden schwarz beschäftigt, schätzt das Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln. Das bedeutet, dass rund 4,3 Millionen deutsche Privathaushalte regelmäßig schwarzarbeiten lassen. Wer das aus Kostengründen tut, sitzt einem Irrtum auf. Schwarzarbeit ist nicht automatisch billiger.

Wenn der Zoll vor der Tür steht

Bis zu 5000 Euro Bußgeld kann es kosten, wenn wegen einer schwarz arbeitenden Putzfrau der Zoll mit einem Durchsuchungsbeschluss an der Haustür klingelt. Angezeigt von neidischen Nachbarn, oder weil die Putzfrau an einer anderen Putzstelle aufgeflogen ist und nun alle Adressen in ihrem Notizbuch unter die Lupe genommen werden. 5000 Euro - dafür kann eine Putzfrau rund zwei Jahre wöchentlich für 50 Euro putzen.

Ein weiterer Aspekt: Wer Pech hat und an eine unehrliche Hilfskraft gerät, hat bessere Karten, wenn das Arbeitsverhältnis legal ist. Dann kann er die Hilfskraft anzeigen, ohne sich selbst zu belasten. Hausrat- und Haftpflichtversicherungen verweigern übrigens bei Schwarzarbeit die Leistung.

Wenn die Haushaltshilfe von der Leiter fällt

Rund 2,8 Millionen Unfälle passieren jedes Jahr in deutschen Haushalten. Ein Sturz von der Leiter oder ein Ausrutscher auf der Treppe können teure Behandlungen und bleibende Schäden nach sich ziehen.

"Wenn sie sich verletzt im Sinne eines Arbeitsunfalles, tritt erstmal die Unfallversicherung ein."

Thomas Methler, Bundesknappschaft

Bei Schwarzarbeit holt sich die Unfallversicherung das Geld aber wieder, und zwar vom Arbeitgeber. Ist die Putzhilfe angemeldet, ist der Versicherungsschutz inklusive. Kosten dafür: Fünf Prozent, des Arbeitsentgeltes bei einem Minijob. Bei 200 Euro im Monat sind das gerade mal 3 Euro und 20 Cent, für eine Versicherung die einen im schlimmsten Fall davor bewahrt, seiner Putzhilfe Krankenhauskosten und eine lebenslange Unfallrente bezahlen zu müssen.

Putzen von der Steuer absetzen

Auch steuerlich kann es sich lohnen, die Putzfrau anzumelden. Verdient sie im Haushalt 200 Euro, dann fallen zunächst 29,80 Euro zusätzlich pro Monat an Abgaben an. Da man aber am Ende des Jahres 20 Prozent, der Kosten für haushaltsnahe Dienstleistungen von der Steuer absetzen kann, hat man gleichzeitig eine Ersparnis von durchschnittlich 42,50 Euro pro Monat. Heißt unterm Strich: Die angemeldete Putzfrau kostet im Monat nur 187,30 Euro anstatt 200.

Steuererklärung und Anmelden - das klingt kompliziert. Stimmt nicht, sagt Thomas Methler von der Minijobzentrale. Das einseitige Formular sei leicht auszufüllen, Zeitbedarf: 10-15 Minuten schätzt er.

"Also ganz oben im Kopf muss ich Angaben zu meiner Person als Haushalt machen. An der zweiten Stelle muss ich Angaben zur Person der Haushaltshilfe machen. Sprich, Name Andresse etc. Und dann sage ich, seit wann ist die bei mir, ich gebe ein Beginn-Datum ein. Ich sage, was sie bei mir monatlich an Entgelten erhält, also alles was da ist, ist wirklich selbsterklärend."

Thomas Methler, Bundesknappschaft

Und wer das ganze online macht, muss nicht mal zum Briefkasten gehen. Endet das Arbeitsverhältnis, muss man die Putzhilfe lediglich wieder abmelden. Auch das geht online.

Wie man die Putzhilfe überzeugt

Manche Haushaltshilfen wollen nicht angemeldet werden, weil sie befürchten, weniger zu verdienen. Mit Hilfe des Haushaltsscheck-Rechners auf der Internetseite der Minijobzentrale lässt sich errechnen, wie viel der Arbeitgeber brutto bezahlen muss, damit die Putzhilfe mit ihrem Nettolohn zufrieden ist.

Ein Argument ist auch die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Während einer Krankschreibung, erstattet die Minijob-Zentrale 80 Prozent des Lohnes.


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